Samstag, 22. Oktober 2011

Gehen "wir" morgen empört unter?

Vor ungefähr drei Jahren, als sich die große Finanzkrise abzuzeichnen begann, wollten zwei Menschen meinen Rat. Einer davon gehörte in die Rentnergeneration, der andere war Berufsschüler. Beide fürchteten, es könnten bald Verhältnisse eintreten, die denen der „großen“ Weltwirtschaftskrise als Zuchtacker des Faschismus ähnelten. Also einschließlich astronomischer Inflation und der Zweckmäßigkeit, Freßdosen zu horten, weil sie sich die wohl bald nicht mehr würden leisten können.
Der große Zusammenbruch ist ausgeblieben. Aber waren die Ängste wirklich lächerlich abwegig?
Wer linke Publikationen liest, muss sich oft wundern, warum der (kapitalistische) Weltuntergang denn immer noch nicht erfolgt ist.
Der staatsmonopolistische Finanzkapitalismus ist heute eine andere Größe als vor 80 Jahren oder zu Lenins Zeiten. Manche Mechanismen sind für einen normalen Menschen nicht mehr nachvollziehbar. Hunderte Milliarden werde zu Billionen „gehebelt“, Geld (?), dass es eigentlich (noch) nicht gibt, sichert Kapital ab, das es nur dadurch noch gibt. Bankenrettungsschirme werden erfunden mit Beträgen, von denen alle Europäer Hartz-IV-wohl leben könnten, ohne zu arbeiten. Natürlich müssen sie arbeiten, aber das System „(Kapital-)Markt“ kreiselt in Atem beraubendem Tempo.
Dann beginnen aber die Probleme. Im Prinzip hat jeder Recht, der da unkt, das System muss zusammenbrechen und im Moment ist die überdrehteste Schraube die des Finanzkapitals. Nur gibt es keinen verlässlichen Maßstab, wann es den großen Knack gibt. Im Moment stützt ja z. B. auch China vorsätzlich die kapitalistische Weltwirtschaft. Und es lässt sich so schwer auseinanderhalten, wer bei den Großen Kreditgeber und Kreditnehmer ist, weil manche Staaten bereits faktisch Bankeigentum sind. Da wird lieber Kredit A durch B, der durch C usw. „abgesichert“. Man müsste sich selbst schlachten.
Es ist also schwer das Ergebnis am Einzelfall auszumachen.
Dem aber steht noch keine echte Alternative gegenüber – so Achtung erheischend inzwischen Empörung laut wird und dies sogar im Zentrum des Weltimperialismus. Während die Herrschenden in ihrem System handeln – im Detail viel Zweifelhaftes, insgesamt aber in der Überzeugung, dass an sich alles „weiterlaufen“ MUSS.
Dem steht ein Mangel an Einheit von Ganzem und Einzelschritt gegenüber. Einige Denker haben registriert, dass eine kapital-soziale Marktwirtschaft eines Weltmacht-Gegendrucks bedürfte, also schwer denkbar ist. Die richtige Alternative, also langfristig einen wirklichen Kommunismus für wünschenswert zu halten und deshalb sozialistische Varianten anzupacken, die tendenziell darauf hinsteuern könnten, ist noch immer nicht oben auf der Agenda – und zwar auch nicht bei den Aktivisten.
Wie weit wir noch fern davon sind, belegt die Vorsicht im Umgang mit im weiten Sinn faschistischen Gedankengut. Es wird zwar vorsichtig gestreut, aber man hält die geistigen Kotzbrocken von Bedeutung im Dach der Systemparteien a la SPD. Wobei wir als Deutsche aufpassen müssen. Deutschland ist nicht der Nabel der Welt und vielleicht entscheidet sich das Überleben der Menschheit ganz woanders ...

Dienstag, 18. Oktober 2011

Was ist Reichtum? (2)

Obwohl an diesem Gedankengang etwas dran ist. Genau wie der Abwechslungsreichtum der Speisen heute in den „reichen“ Ländern im Durchschnitt frühere Herrschaftstafeln übertrifft.
Deshalb ist ja auch genau zu beachten: Es geht um die Vielfalt der Bedürfnisse. Die steigt beständig mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Möglichkeiten. Sie erreicht aber auch von Bedürfnisart zur anderen unterschiedlich schnell einen Punkt relativer Absurdität. Mehr als jede einzelne Mahlzeit im Leben absolut kann niemand Verschiedenes essen (auch, wenn er es „bezahlen“ könnte) und eine bestimmte Zahl von Speisen will man auch wiederholt essen, wenn man erfahren hat, dass sie schmecken – es wäre also relativ blöd, etwas Neues zu probieren, nur, weil etwas noch neu wäre. Das Beispiel Ernährung trifft abgewandelt auf alle Bedürfnisse zu.
Also ein relativer Reichtum der „Weltgesellschaft“ ergäbe sich aus der Vorstellung eines Durchschnitts, wie viele Bedürfnisse sich „die Menschen“ als Einzelwesen tatsächlich befriedigen können im Verhältnis dazu, welche sich die Menschen zu diesem Zeitpunkt befriedigen könnten.
Dies führt allerdings auch zu seltsamen Ergebnissen. Da wir ja gesehen haben, dass in dieser Rechnung der Superreiche nicht mit 1000 oder 100000 eingeht, sondern mit 1, wird jene „Menschheit“ zur ärmsten, in der besonders viele Menschen dahinvegetieren, obwohl sie es technisch nicht müssten. Damit schneidet die Gegenwart schlecht ab, weil knapp eine Milliarde Menschen regelmäßig sogar Hunger leiden, obwohl dies niemand brauchte, während die Urmenschen besser abschneiden, da alle im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten ihre Bedürfnisse befriedigten – selbst, wenn sie hungerten.
Also geht keine Vorstellung von Reichtum ohne „gesellschaftlichen Reichtum“.
Der hat erst einmal Substanz. Nennen wir es „Masse vergegenständlichter Arbeit“. Also so viele Bilder, wie tatsächlich zu einem bestimmten Zeitpunkt gemalt existieren, so reich ist die Menschheit in diesem Augenblick an Bildern. Das Besondere der „Neuzeit“ dabei ist, dass es solchen Reichtum als sich potenzierende vergegenständlichte Arbeit gibt. Also Maschinen existieren, um den eigentlichen Reichtum, nämlich den auf menschliche Bedürfnisse bezogenen, permanent neu zu schaffen.
Schwierig einzuordnen ist die Erde, die Natur in den menschlichen Reichtum. Einerseits geht es nicht ohne. Andererseits bot besagte Natur vor 100000 so wie vor 100 Jahren Coltan an. Kein Mensch sah ihn als „Bodenschatz“ an – seit der Erfindung des Handys für Jedermann ist es einer. Und auch der primitivste „Reichtum“ des Bodens für landwirtschaftliche Zwecke wird erst in dem Maße dazu, dass Menschen Methoden gefunden haben, ihn zu nutzen.
Womit wir beim am meisten unterschätzten Menschheitsreichtum wären: Dem Wissen und seiner Zugängigkeit. Wiederum sind es zwei Seiten eine Medaille. Prinzipiell muss bestimmtes Wissen überhaupt erst einmal vorhanden sein. Dann aber geht es darum, wer wo wie dazu kommt, dieses Wissen zu nutzen und zu vermehren. Insoweit haben eben in den letzten 10000 Jahren zwei Potenzierungen des Weltreichtums stattgefunden: die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts und des Internets Ende des 20. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Allerdings besteht seit letzterer eine direkt in Eigentumsverhältnissen bestehende Bremse für diesen Reichtumsvermehrungseffekt. Aber darüber habe bereits geschrieben ...

Montag, 17. Oktober 2011

Was ist Reichtum? (1)


Eine seltsame Frage? Und dann noch gestellt unter der Überschrift Kommunismus?!
Doch die Antwort auf genau diese Frage ließe uns auf vieles Andere verstehender sehen.
Ich möchte nicht darüber diskutieren, wer wann was für Reichtum gehalten hat. Ich stelle eine Meinung in den Raum … mit ein wenig Erklärung dazu.
Beim „Reichtum“ muss man erst einmal zwischen zwei eng verknüpften Ebenen unterscheiden: persönlicher Reichtum und gesellschaftlicher Reichtum. Letztlich ist nämlich gesellschaftlicher Reichtum nur so weit welcher, soweit er potentieller persönlicher Reichtum ist.
Reichtum ist Vielfalt der Bedürfnisse und Möglichkeiten, sie zu befriedigen.
Insofern ist es fast unmöglich, Reichtum mathematisch darzustellen. In Zahlen gemessen kann ein einzelner Mensch immer „reicher“ werden. Wenn er eine Milliarde besitzt, erschiene er um das Tausendfache „reicher“ als hätte er eine Million, mit einem „Vermögen“ von 100 000 000 000 US-Dollar wäre es noch einmal das Hundertfache davon. Aber … hat das einen Sinn? Was unterscheidet einen x-fachen Milliardär von einem hundertfachen Millionär? Welches Bedürfnis kann er neu befriedigen (außer der Illusion „reicher“ zu sein)? Um das, was ich hiermit ausdrücken will, etwas zu überspitzen: Wie (erb)ärmlich dürfte sich ein „Superreicher“ vorkommen, sperrte man ihn einen Monat mit Kaviar und Champagner ein! Die Vorstellung, seinen Hunger tagelang mit Kaviar – und sei es auch Beluga-Kaviar – stillen zu müssen, widerte ihn schnell an.
Ein weiteres Problem, weshalb es einen solchen „Superreichtum“ eigentlich nicht gibt: Nehmen wir ein Milchmädchen-Spiel: Versetzen wir den reichsten Menschen der Erde (wir setzen sein „Vermögen“ willkürlich auf 50 Milliarden Dollar) in die Lage, die Hälfte seines Vermögens an die Ärmsten dieser Erde als reales Guthaben zu verschenken – und zwar so, dass die alle jeweils genau ihr „Jahreseinkommen“ verdoppelten. Wie viele zig Millionen könnten dann ein Jahr doppelt so „gut“ leben – ohne dass der eine „Superreiche“ eine Veränderung seiner persönlichen Situation spüren würde? (Prinzipiell funktionierte dies auch mit seinem „Einkommen“.)
Rein mathematisch ständen zwei gleiche statistische Werte einander gegenüber. Rein praktisch aber nicht: Für den Reichen veränderte sich nichts, für besagte Arme wäre ein nicht unerheblicher Teil nach dem strittigen Jahr ohne die „Umverteilung“ schlicht Hungers gestorben.
Anders gesagt: Zumindest bezogen auf einen konkreten Zeitpunkt bezogen kann es keinen realen Reichtum „größer 1“ geben – zumindest keinen mit Sinn. Den Reichtum zwischen verschiedenen Zeiten zu vergleichen ergibt ebenso Paradoxes: Da könnte man den Hartz-IV-Empfänger als reicher ansehen als einen absolutistischen König, weil ersterer diverse Fernsehsender sehen kann und mit seinem Handy sich mit einem Tausende Kilometer entfernten Bekannten unterhalten kann.


Samstag, 1. Oktober 2011

Der kleine Antifaschismus heute ...

Ich halte es für nötig, an JEDEM Punkt etwas gegen faschistische Tendenzen zu tun. Dabei sollte sich niemand zu schade für Kleinigkeiten sein und jeder prüfen, wo er aktiv werden kann. Man kann niemanden zwingen, an einer Blockade eines Neofaschistenaufmarsches teilzunehmen. Man sollte aber jedem klar machen, dass sich solche Aufmärsche eben dadurch verhindern lassen, dass immer möglichst viele Menschen aktiv an solchen Blockaden teilnehmen.
Nicht jeder kann selbst einen Leserbrief schreiben. Aber viele bestimmt. Und die sollten es eben tun, wenn ein rassistisches Machwerk in Sarrazin-Art in der Zeitung positiv besprochen wird. (Bei so etwas muss man allerdings einen Nebeneffekt beachten: Auch Gegengebrüll kann "Publicity" bringen, und wer ein Buch kauft, hat Geld dafür ausgegeben - aus welchem Grund auch immer.)
Wer schon bei facebook ist, sollte dessen Möglichkeiten auch nutzen und an Stellen "Nein" sagen, wo gezeigt wird, wofür bzw. wogegen WIR sind. Kein Fußbreit faschistoidem Geist - und zwar im weitesten Sinn. Nicht nur der aktive Verfassungsschutz-Faschismus einer NPD ist einer. Rassismus und Nationalismus sind die Gebärmutterwände für Herrenmenschentum. Sozialdarwinismus gibt dem Erschlagen Schwächerer eine wissenschaftlich wirkende Rechtfertigung. Das Ganze gepaart mit Militarismus ...
Verstecken wir uns nicht dahinter, dass die Zahl der VS-NPD-Wähler nicht anschwillt. Wer "Gas geben!" witzig findet, gewinnt eine gewisse Lächerlichkeit dabei. Faschistisch ist eben nicht nur das, wo es draufsteht. Das ist auch der Bürgermob, der Andersartige, Fremde, Schwache vertreiben will.
Da steht immer die Frage, was tun WIR dagegen. Und diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten. Ein Aufruf zur Toleranz ist nämlich nett und gut. In dem Augenblick aber, in dem eine "Kundgebung" für ein tolerantes Zusammenleben bewirkt, dass ein gleichzeitiger Naziaufmarsch unbehindert bleibt, eine erforderliche Blockade damit geschwächt wird, ist eine solche Selbstbeweihräucherung mindestens kontraproduktiv.
Wie gesagt: Ich will nicht jeden zu Blockaden treiben. Aber erfolgreiche Blockaden haben mehrere positive gesellschaftliche Effekte:
1. Wir erleben, dass wir nicht alles über uns ergehen lassen müssen.
2. Im Laufe der Zeit vergeht den Neofaschisten das Vergnügen. Deren Aufmärsche dienen in erster Linie der Selbstbestätigung, eine starke Macht zu sein und dies öffentlich zeigen zu können. Genau dies verpufft aber, wenn sie gefrustet unverrichteter Dinge irgendwo von einem Startplatz wieder abziehen müssen.
3. Außen Stehende kommen nicht in Versuchung, diese Truppen toll zu finden. Ihre Anziehungskraft für potentielle Sympatisanten schrumpft, wenn sie nicht mit stolz geschwellter Brust, geschützt von wohl meinenden Staatsknüppelträgern Macht demonstrieren können.

Sonntag, 25. September 2011

Wie kann man den Ausdruck "Hauptproduktivkraft ist der Mensch" verstehen?

Um die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu verstehen, muss man zu aller Erst verstehen, was "Produktivkräfte" sind, deren Entwicklungsstand die "Produktionsverhältnisse", genau genommen alle Verhältnisse, die Menschen im gesellschaftlichen Leben zueinander eingehen, bestimmt.
Dabei gibt es drei "Arten" von Produktivkräften, die untrennbar miteinander verknüpft sind: "den Menschen" selbst, seine Arbeitsmittel und bestimmte Bedingungen, unter denen diese Arbeitsmittel wirken.
Frühe bürgerliche Gesellschaftswissenschaftler nutzten oft das Robinson-Bild zur Veranschaulichung. (Allerdings sehr beschränkt im Denkhorizont). Niemand wird bezweifeln, wie wichtig für den Schiffbrüchigen Flinte, Schießpulver und Munition waren. Für ihn "Arbeitsmittel", vergegenständlichte Arbeit (früherer) Menschen. Aber dies nur deshalb, weil er eben der wissende Robinson war. Der "Wilde" Freitag betrachtete es als Götzen zum Anbeten. Hätte er die Waffe allein gefunden, hätte er wenig damit anfangen können - zu schwer und unhandlich, um damit Wild zu erschlagen. Die Tatsache wiederum, dass Robinson dieses "Arbeitsmittel" beherrschend besaß und Freitag nicht, verwandelte Letzteren selbst in ein "Arbeitsmittel" für Robinson. In der Abgeschiedenheit der Insel ohne geschriebenes Recht dank faktischer Machtkonstellation, in einer vielschichtigen Menschengesellschaft kommt eben jenes geschriebene Recht dazu. So beschränken z. B. Lizenzen die Nutzung bestimmter Arbeitsmittel bzw. Verfahren.
Aber Robinson hatte noch etwas Anderes: Er brachte das praktische Wissen seiner Zeit mit auf die Insel. Zwar musste er es auf seine konkreten Möglichkeiten anpassen, aber er wusste, welche Tiere sich als Haustiere eigneten, wie sie am einfachsten als solche zu halten sind (wie man einen Zaun baut), er kannte Techniken der Bodenbearbeitung, wusste, was Samen ist und wie er fruchtbringend in die Erde muss, vermochte also die Natur aktiv für sich zu nutzen und vieles Andere mehr. Dieser Schatz existiert genau genommen in zwei Grundformen: Als Wissen der Menschheit, festgehalten in Büchern, heute gesammelt im Internet, und als Wissen der konkreten einzelnen Menschen, die sich das für sie zweckmäßige Teilwissen der Menschheit aneignen können und z. T. müssen.
Darauf stieß ich gerade beim Lesen von Makarenkos "Der Weg ins Leben". Das "Wissen" dieser jungen Menschen erschöpfte sich überwiegend in Techniken, geeignete Menschen zum Bestehlen zu finden, Essbares und in Essbares Verwandelbares zu stehlen und einen Platz zum Schlafen zu suchen. Einige hatten noch elementar weitergegebene Beobachtungen als Bauer oder Handwerker im Hinterkopf. Aber eine Bedienungsanleitung wäre ihnen wertlos gewesen - sie konnten ja nicht lesen. Internet wäre ihnen weniger verständlich gewesen als jedes Märchen. Und eben deshalb wertlos. Um zu Menschen ihrer Jetztzeit zu werden mussten sie erst einmal lernen: praktisches Wissen, "Kommunikationstechniken" und Umgangsformen mit anderen Menschen. Sonst wären sie im Menschheitssinne Schmarotzer geblieben. Sie sind es aber nicht.
Wie umfassend "unser" Wissen ist und durch unser Handeln zur "Produktivkraft" wird, merken wir oft erst dann, wenn es gar nicht aktivierbar ist. Allerdings sind die Vergegenständlichungsformen immer komplizierter. Man male sich die Katastrophe aus, die Computerkommunikation fiele weltweit aus!
Andererseits ist es gerade dieser verselbständigte Reichtum, der (Produktions-)Verhältnisse fordert, in denen jeder diesen Reichtum auch nutzen kann - was im Internet-Zeitalter plötzlich allgemein möglich wäre, ohne die Nutzung durch andere einzuschränken.

Donnerstag, 22. September 2011

Und wieder einen Trend verpennt … wir sind keine Piraten (2)

Die Bedingungen im Jahre 2010 sind ganz andere. Das, was die heutige Jugend erlebt, könnte bereits eine Welt sein, in der Kommunismus-Träume reale Gestalt anzunehmen beginnen. Das Grausame: Sie wissen es nicht! In verschwommener Emotionalität ahnen sie, dass es irgendwie nicht so geht, wie es gerade läuft. Aber niemand hat ihnen nachvollziehbar erklärt, warum es so läuft, vor allem, wie es anders gehen könnte. Denkblockaden im Sinne Sozialismus hatten wir als Misswirtschaft und Kommunismus als Terrorherrschaft verhindern tiefer nachbohrende Fragen. Welcher Piratenpartei-Wähler hat denn erfasst (egal ob mit Gefühl oder Verstand), dass Kommunismus überhaupt keine Herrschaft sondern – wie es Marx und Engels formulierten - „das Reich der Freiheit“ ist? Dass das durchaus die Freiheit ist, die sie verstehen und beanspruchen. Die Freiheit des Internets zum Beispiel. Für Menschen im Kommunismus wäre es selbstverständlich, dass jeder Youtube aufruft und dort jeden beliebigen Musiktitel abspielen (bzw. vorher hochladen) kann, den er mag, ohne auf Sperren zu stoßen, weil eine Firma am Verkauf des Titels / Videos Geld verdienen will /muss. Kein potentieller Verkäufer hängt Zufallsbesuchern eine Webseite Spyware an, um sie auszukundschaften auf potentielle Käuferschaft. Keine Machtinstitution erteilt Denkverbote. (Das in Gestapo-Art zur „Stasi“ verballhornte Ministerium für Staatssicherheit der DDR war Klassenkampf und absolut nichts Kommunistisches). Gerade das Internet wäre das ideale kommunistische Medium. Wer etwas braucht, „holt es sich selbst direkt ab“ - es muss ja niemand dran verdienen. Das muss doch diesen Möchtegern-Piraten gesagt werden. Dass die Welt, wie sie sie sich erträumen, ein moderne Kommunismus wäre – und zwar einer in der von Marx angesprochenen höheren Phase.
Solche jungen Menschen kann man doch nicht damit vergraulen, dass man ihnen mit „Arbeiterklasse“ kommt, zu der sie (zumindest noch) nicht gehören und zu der sie vor allem auch nie gehören wollen. Müssen sie das aber? Haben sie die Krätze, weil sie klassentheoretisch als „Kleinbürger“ eingetütet werden müssten?
Mit dem Lecken unserer Wunden wegen einer verspielten Gelegenheit im vergangenen Jahrhundert haben wir uns die nächste Generation entgleiten lassen. Nachher werden wir es natürlich gewusst haben: Die Generation der Sponti-Grünen haben sich zu machtgeilen Weltkriegern verfischert, an der Partei der „Linken“ nagt der beLiebige Lederer-Wurm der Anpassung und anstatt zu neuen Revolutionären werden die Piraten (zumindest ihre Führung) zur FDP des 21. Jahrhunderts geworden sein … so ungefähr …
Aber ist das die Frage? Ist die Frage nicht eher, was wir dagegen getan haben (werden)? Wer will einem jungen Menschen die Funktionsweise der Welt erklären, ohne youtube, facebook, Twitter und all das Handwerkszeug der Jetztzeit zu verstehen? Das nötige abstrakte Wissen hat jeder 90jährige. Der weiß, dass das alles Scheiße ist, weil unter den Bedingungen des Kapitalismus JEDE technische Errungenschaft pervertiert wird. Aber wie würden dieselben Errungenschaften sozialistisch/kommunistisch funktionieren? Es gibt so viel zu denken. Wer heute Engels liest, könnte ihn als Urvater aller Umweltschützer entdecken. Warum tun wirs nicht? Warum stehen wir nicht dazu, zu DDR-Zeiten zur Sünde der Braunkohletagebaue durch den Kampf gegen internationaler Abhängigkeiten und das fehlende Wissen um bestimmte Folgen gedrängt worden zu sein. Heute würden wir es anders machen, Kinder, aber wir haben noch nie Sozialismus gehabt. Den brauchen wir aber, um den Kommunismus vorzubereiten und überhaupt als Menschheit zu überleben, globale Probleme zu lösen. Dafür sind nicht Kuscher und Anpasser sondern ausgeflippte Denker und Macher nötig. Solche, die nicht nur nach einem schon eingeebneten Gleisbett suchen.
Vielleicht nur noch eine Kleinigkeit: Lassen wir denen, die da kommen, nicht den Kontostand als einziges Thermometer persönlicher Anerkennung. Nehmen wir zur Kenntnis, dass es nicht schlecht ist, alte Fragen neu zu stellen. Mit etwas Hilfe sehen die Antworten dann gar nicht so viel anders aus als die, die wir schon gefunden zu haben glauben.

Dienstag, 20. September 2011

Und wieder einen Trend verpennt … wir sind keine Piraten (1)

Kommunismus – viel zu lange haben wir diesem Wort den Gestank von Staub und Blut anhaften lassen. Es bleibt zu hoffen, dass es noch nicht zu spät ist, dass wir nicht durch eigene Ungeschicklichkeit den letztlichen Untergang der Menschheit mit zu verschulden haben.
Das Wichtigste für eine neue Gesellschaft ist die Kreativität derer, die sie gestalten (und die nötigen Produktivkräfte, die den Entwicklungsstand der Produktionsverhältnisse bestimmen ... oder eben noch nicht). Die kreativste Gesellschaft, die ich mir vom Prinzip vorstellen kann, ist jene, die ein Karl Marx vor über 150 Jahren als „Kommunismus“ definierte – positive Utopien kreativer Denker aufgreifend und in ein System machbarer Vernunft verwandelnd, in Wissenschaft, wie es Engels sagte.
Wie diese Welt im Einzelnen aussehen könnte, weigerte er sich zu spekulieren – aus gutem Grund, war die Welt von 1850 doch rein technisch noch weit von Verhältnissen entfernt, die ein entfaltetes kommunistisches Zusammenleben ermöglicht hätten. Marx brauchte sich also nichts Konkretes vorzustellen.
Im Wesentlichen war unsere Welt auch 100 Jahre später noch nicht weit genug. Aber immerhin hatten Menschen mit Enthusiasmus gewagt, die Schaffung von Grundlagen eines nicht mehr auf Kapitalegoismus beruhenden Miteinanders anzugehen. Besonders die Völker Europas hatten das Vernichtungspotential des zum Imperialismus entfalteten Kapitalismus gerade hautnah in zwei Weltkriegen durchlitten und ein „Nie wieder!“ erhofft. (Da stehen wir wieder am Anfang.) Leider blieb die (wirtschaftliche) Macht des Kapitals weiter überlegen. Nie wurde den Sozialismus-Erbauern die Chance eingeräumt, eine Gesellschaft nach eigenen, wirklich grundsätzlich anderen Regeln zu errichten. In die bescheidensten Ansätzen funkte die eigentlich geschichtlich überlebte Klasse erfolgreich hinein. So ist heute in der Erinnerung eher das Eingesperrtsein hinter einer Mauer als das solidarischere Miteinander der Menschen auf unserer Seite eben dieser Mauer zum Symbol dieses Ansatzes eines Sozialismus-Aufbaus erhalten geblieben (und alle Feinde alternativen Denkens bemühen sich darum, dass es die einzige Erinnerung sein möge).
Natürlich muss man dies zurückweisen. Aber nicht nach rückwärts blickend, weder verdammend noch glorifizierend, was die Menschen vor uns geschafft haben, sollten wir uns unseren Aufgaben stellen.

(HIER weiter)