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Mittwoch, 15. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (3)

Es ist Unsinn nach dem „Wichtigeren“ bei Evolution oder Revolution zu fragen. Das hieße bei Wasserkochen die gesamte Zeit entwerten, bei dem das Wasser auf 95 Grad erhitzt wird. Ist denn nur die letzte Energiezufuhr entscheidend, dass das flüssige Wasser Dampf wird, was in philosophischer Betrachtung die „Revolution“ ist? Wer allerdings Wasser auf dem Herd beobachtet, entdeckt auch die vielen kleinen „Revolutionen“, wo sich Wasserteilchen an der Herdplatte bereits in Wasserdampf verwandelt haben, beim Aufsteigen dann aber wieder Wasser werden und die anderen Teilchen damit erwärmen. (Die Veränderungen erfolgen an sich nirgends identisch schnell.)
 Halten wir fest: Wenn wir „Einheit und Kampf der Gegensätze“ als Grundgesetz aller Entwicklung erkennen, dann heißt dies, dass immer (mindestens) zwei Grundprinzipien in der Entwicklung miteinander verbunden sind, dass das „Niedere“ von der Gesamttendenz (aber nur von der) dabei vom „Höheren“ abgelöst wird mit dem Ergebnis, dass ein neues „Niederes“ (also das alte „Höhere“) sich im Kampf mit einem neuen „Höheren“ wieder findet…
Diese dialektische Betrachtungsweise kann am allgemeinsten erklären, warum es keine auf ewig „fortschrittlichen“ Parteien geben kann. Wir haben gesehen, dass dieses „Hauptprinzip“ auch in den anderen wirkt.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (1)

Viele Verteidiger des Kapitalismus – dem die dann natürlich freundliche Umschreibungen geben – behaupten, er wäre sozusagen die volle Entfaltung der Natur. Es bleibt uns schon allein deshalb nichts übrig, als zu untersuchen, wie weit sie Recht haben.
Fangen wir ganz abstrakt an:
Es gibt einige Grundprinzipien, nach denen sich alles Sein „richtet“. Wir müssen hier nämlich in die fürchterlichste Ebene des Abstrakten, in die Philosophie.
Das allgemeinste und wichtigste Prinzip ist das von der Einheit und dem Kampf der Gegensätze. Kampf sollte dabei nicht mit „Krieg“ verwechselt werden, also das die eine Seite das Ziel hat, die andere zu vernichten. Nein, das Prinzip besagt, dass es sind immer (mindestens) zwei Seiten einer Sache gibt, die ein Ganzes bilden, obwohl sie eigentlich Gegensätze sind.
So gibt es immer physikalische Materie und immer Energie, die der Materie als Träger bedarf. Zu Lenins Zeiten glaubte man sich noch sicher, dass das eine überhaupt nicht ohne das andere existieren könne. Heute weiß man, dass es Augenblicke des Übergangs, des Umschlags gibt, Big-Bang-Momente, die fast absolut nur Energie kennen (was die Möglichkeit der Umkehrung einschließt). Aber alles was ist, ist im Wesentlichen in Bewegung (etwas Anderes ist „Energie“ letztlich nicht) und damit in Veränderung begriffen. Diese Veränderung führt dabei zu einem neuen System mit einem neuen Verhältnis von physikalischer Materie und Energie.
(„Physikalische Materie“ bedeutet, dass es im philosophischen Sinne eine andere Materie-Definition gibt. Philosophisch ist alles, was nicht Bewusstsein, Erkennendes ist, sondern Erkennbares, Materie. Somit ist philosophisch Energie eine Form von Materie.)
Nun wäre auf Dauer ein ständiges Hin und Her zweier Formen auch eine Art Stillstand. Die urtümliche Einheit der Gegensätze bringt aber Entwicklung, und zwar von Niederem zum Höheren. In der Natur zum Beispiel von der Physik über die Chemie zur Biologie. Dabei wird das „Niedere“ „aufgehoben“. Zwar entwickeln sich Systeme bald auf höherer Stufe, ist eine biologische Vermehrung eben mehr als ein nur chemischer oder gar nur physikalischer Vorgang, aber sie ist dies eben auch, und sie schafft die älteren Reproduktionssysteme der Natur nicht ab. (Es ist erlaubt, sich den "Liebesakt" sowohl als "höhere" Liebe als auch als physikalische Bewegung als auch als Summe chemischer Absonderungen aufzufassen. Richtig verstehen kann man ihn erst, wenn man nichts davon weglässt, aber das "Wichtigste" als das Wichtigste erkennt.)