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Dienstag, 9. August 2011

Egalia – die steuerfinanzierte Modellvorschule für Ein- bis Sechsjährige




Ja, im heutigen Stockholm gibt es so etwas: Ein Modellprojekt, in dem Kinder auf „Gleichheit“ getrimmt werden. Mit teils klassischen albernen Schritten wie dem Gebrauch einen geschlechtsneutralen Pronomens an Stelle von „sie“ und „er“ oder der Herrschaft von „Unisexpuppen“. Mit total verändertem Lehrplan, in dem die die Rollen von Geschlechteridealen ausradiert sind, also nix mit Barbie, schöner Prinz / Prinzessin, böse Hexe usw.
Es gibt Wartelisten für die 33 Plätze.
Die Absicht halte ich für löblich, die Erfolgsaussicht für gering.
Richtig erscheint mir ein Grundprinzip: Im Kleinkindalter werden einfache Grundmuster für Ideale geprägt. Mädchen wie Jungen erfahren, wie sich Mädchen und Jungen zu verhalten hätten, wenn sie sich wie Mädchen und Jungen verhalten möchten. Dabei sind Märchen auch dann noch wirksam, wenn sie bereits als solche erkannt werden. Aber man kann als Beispiel Märchen zu Hunderten durchstöbern: Man wird kaum Zweifel darin entdecken, dass es für ein Mädchen erstrebenswert ist, Prinzessin / Frau des guten Königs zu werden. Was also ist Glück? Ein nicht nur von Sorgen sondern besonders von Arbeit freies Leben.
Die Leiterin des Modellkindergartens betont sicher nicht zu unrecht, dass Mädchen nicht „von Natur aus schüchtern“ und Jungen nicht „automatisch rüde und extrovertiert sind“, sondern dass dieses „typische“ Verhalten aus der Erwachsenenhaltung Erwachsener herrührt.
Das bedeutet keinen Vorsatz, kein bewusstes „Erziehen“ in eine bestimmte Richtung. „Natürlich“ ist im Höchstfall eine durchschnittlich höhere Körperkraft bei Jungen … und damit die berechtigte Erwartung, die erfolgreich oder für die Mädchen eben weniger erfolgreich einsetzen zu können. Es ist ein extrem kompliziertes, komplexes Problem.
Und es ist im materialistischen Sinn über den abgeschlossenen Raum hinaus sehr wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. Der Mensch lernt immer. Immer werden dabei die aktuellen Ideale, die grundlegenden Handlungsprioritäten mit ihrer Verwendbarkeit in der Praxis verglichen. Dabei spielt das Lotterieprinzip eine nicht unwesentliche Rolle: Die prinzipielle Möglichkeit eines Erfolgs vorgeführt zu bekommen überwuchert die rationale Vernunft tatsächlicher Wahrscheinlichkeit. Also die penetrant vorgeführte Aussicht, dass ein Mädchen das Top-Model des Jahres wird tötet den Realismus, dass das nur eine z.T. Bedauernswerte treffen kann. Der unmittelbare Effekt des „Sieges“, wenn man einem eins aufs Maul gegeben hat, ist da greifbarer und festigt sich früher.
Geschlechterrollen sind dabei eben nicht nur Geschlechterrollen, sondern Sozialmuster innerhalb eines sozialen Gefüges, das man in unbeschreiblicher Vielfalt erlebt. Wie kommt wer von Arbeit, wie verarbeitet er seinen Frust, wie geht der andere mit welchem Erfolg darauf ein, wem gegenüber fühle ich mich emotional mehr verbunden usw. Dass ein zweijähriges Kind diese Fragen nicht rational stellen kann, heißt eben nicht, dass es nicht vor diese Fragen gestellt wird … und sie auf seinem Niveau auch beantwortet.
Das heißt, dass selbst wenn die interessierten Familien nie bewusst „Kapitalismus“ reflektieren, ihr realer Umgang durch die Gesellschaft mit ungeschriebenen Normen geprägt ist, welche Egoismus und Rücksichtslosigkeit als Überlebensvorteil fördert.
Es ist also richtig, dass ein auf Dauer angelegter Kommunismus solche Kindereinrichtungen flächendeckend vorherrschend braucht.
Es ist ebenfalls richtig, dass die Nichtexistenz Egoismen fördernden Eigentums der Nährboden ist, auf dem allmählich solidarisches Verhalten zum bestimmenden werden kann.
Es ist sogar richtig, dass das durch Staatsprinzipien bereits gefördert werden kann – das durchschnittlich solidarischere Miteinander der (ehemaligen) DDR-Bürger wird mitunter sogar von Gegnern zur Kenntnis genommen - … es wird allerdings eine Reihe von Generationen dauern, bis die jeweiligen „Vorbildgenerationen“ solch solidarisches Verhalten tatsächlich „nachhaltig“ so weit verinnerlicht haben, dass die Kinder es in der Masse bevorzugen … aber sie werden es einmal tun.  

Montag, 3. Januar 2011

Versuch 1 zu fliegen (10)

Ich spitze natürlich etwas zu: NICHTS Anderes tun als vorm Fernseher hocken (und das Bier dazu besorgen) ist natürlich übertrieben – das machen nur die Heruntergekommsten.
Aber es ist z. B. ein Symptom dafür, keine ordentlichen persönlichen Kontakte mehr zu haben. Man kann nur noch rumhängen. Wenn „die Arbeit“ einen allerdings richtig ausgelaugt hat, dann ist man u. U. wirklich so fertig, dass nix Anderes mehr geht als Rumhängen. Das ist hier aber nicht gemeint, sondern das "Rumhämgen" an Stelle von Arbeit. Allerdings wäre eine solche Arbeit auch nicht gemeint, wenn wir die sinnvollen Tätigkeiten im Kommunismus weiter „Arbeit“ nennen wollten.
Nun kennt diese zukünftige Gesellschaftsordnung keine Tätigkeit mehr, die von den menschlichen Bedürfnissen losgelöst ist. Entschuldigung, das mag unverständlich klingen, aber wer kennt nicht Leute ... wenn die auftauchen, wird jede Party ein voller Erfolg? Ist eine gemeinsame Veranstaltung abends im Kreise von Verwandten und Bekannten nicht etwas für das menschliche Leben Nützliches? Haben solche Leute dann nicht auch für dein Leben einen „Gebrauchswert“, obwohl sie u. U. „arbeitsscheu“ in heutigem Sinne sein könnten? Wäre unser Leben nicht ohne solche Menschen langweiliger? (Pech habe ich nur bei denen, die keinem Menschen dieser Art begegnet sind – oder sich aus verborgenem Neid selbst das Mitvergnügen vergällt haben)

Im „Klassenkampf“ zählen natürlich nur Zahlen. Arbeitsproduktivität, möglichst viel materielle Werte „erarbeitet“ haben. Das fiele erst mit dem restlosen Verschwinden des „Kapitalismus“ als erster Maßstab für den Nutzen einer „Tätigkeit“ weg. Dann wird aber auch das Gespräch am Arbeitsplatz über die aktuellen Probleme der Kindererziehung zu einem „Gebrauchswert“, der entsteht, indem wir arbeiten gehen und uns am Arbeitsplatz mit "Bekannten" treffen. Ist das kein (auch, zuerst einmal) ganz persönlich sinnvolles Ziel?! Sich einfach auszusprechen? Wir gehen ja davon aus, dass sowieso ein Großteil der anfallenden Arbeiten real durch die Maschinen ausgeführt wird, die wir nur beaufsichtigen. Heute interessiert es keinen fremden Menschen, ob konkret aus deinen Kindern ordentliche Menschen werden. Was aber gäbe es, kommunistisch gedacht, Wichtigeres?