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Montag, 7. Februar 2011

Deutschland, der Rentnerstaat, oder Ägypten ist woanders … (3)

Aber ist das ein Grund, die nächste Steckdose zu suchen, in der ist Strom genug, um uns den Endschlag zu geben? Lenins Rekord werden wir nicht mehr brechen. Schwamm drüber! Aber den Elan sollten wir schon aufbringen, nicht nur unsere Niederlage einzugestehen, sondern im Wissen um das Notwendige und Richtige in unserem Tun auf einen neuen, besseren Anlauf hinzusteuern.
Insoweit ist bei der deprimierenden Situation der Restmassen, die unter „Linke“ durchgehen, der Mut der Gesine Lötzsch wesentlich höher einzuschätzen, als dies ein Hans Heinz Holz bereit ist. Mag man zu Recht über die Begrifflichkeit des „demokratischen Sozialismus“ die Nase rümpfen – für mich löst sich das Paradoxon einfach dadurch auf, dass nur Demokratisches Sozialismus sein kann, also alles, was bisher real gegen die Weltkapitalmacht durchgesetzt worden war, nie Sozialismus gewesen ist – so brachte sie mit ihrem eigentlich banalen Beitrag eine verschwommene Methodik der Politik wieder an die Oberfläche: Die Welt braucht eine Perspektive. Diese Perspektive kann keine imperialistisch kapitalistische sein, wenn wir nicht die Selbstzerstörung wollen, und sie kann nicht einmal im weitesten Sinne eine marktwirtschaftliche sein. Wohlgemerkt: Im weiten Sinne ist auch der Sozialismus eine Marktwirtschaft. Auch die DDR war eine „Marktwirtschaft“ - eine prinzipiell soziale und eine mit begrenztem Planungshorizont. Der Denkhorizont des Durchschnittsbürgers ist das Problem.
Geht es einem Volk beschissen – das könnte bei den Arabern so sein, das war auf jeden Fall während der Weltkriege so – dann kann ein geschichtlicher Sonderfall eintreten. Dann kann das Alltagsbewusstsein vorübergehend sehr weit identisch sein mit einer welthistorisch notwendigen Perspektivsicht. So a la Lenin: Wer Frieden und Brot ernsthaft bietet – und dem Wesen des Kommunismus ist nunmal der Frieden am nächsten – der ist richtig. Gehört es zum Rentnerstaatsvolk, ist das schwierig. Da kann man sich freuen, wenn größere Bürgergruppen sich um die organisierte Verschwendung der Produkte ihrer Arbeit sorgen. Insofern ist Stuttgart 21 ein Hoffnungsschimmer – so wie viele im allerweitesten Sinne „Umweltgruppen“.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Wie, bitte, geht´s zum Kommunismus? (4)

 Ich bin zwar der chinesischen Politik gegenüber sehr skeptisch, aber ihre Auffassung, dass es den Sozialismus in den verschiedensten nationalen Versionen geben kann und muss, stimme ich zu. Das schließt aber auch ein, dass gegenseitige Hilfe, meinetwegen handfeste Solidarität und Abstimmung von Strategien überlebensnotwendig sind.
In diese Frage ordnet sich auch die Wahl der Methoden ein, mit denen zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft übergegangen werden kann. Eine Tudeh-Partei wird die iranische Gesellschaft nicht per Wahl verändern, eine kommunistische deutsche könnte dies prinzipiell schon eher, eine venezolanische erst recht…
Übergang ist dabei ein extrem langer Prozess. Bevor er überhaupt „Sozialismus“ heißen kann, muss die „Revolution“ abgeschlossen sein. Diese wiederum muss mit der politischen Macht beginnen. Diese wiederum wird wahrscheinlich mit der Übernahme der Regierung beginnen. Diese wiederum muss handlungsfähig sein gegen die (potentiell auch) politische Macht des „Kapitals“. Also eine Bundeskanzlerin Sahra Wagenknecht ist noch keine sozialistische Revolution. Nach der „Regierung“ muss auch der gesamte „Staatsapparat“ reformiert / revolutioniert werden. Was nutzt als Beispiel ein Enteignungsgesetz, wenn es ein paar Herren in Karlsruhe für nichtig erklären ... und niemand die Macht besitzt, diese Herren in Geistespension zu versetzen.
Mit der Bedeutung der anderen Ländern darf man sich nur nicht herauszureden versuchen. Da sollte man es einfach wie Lenin halten: An der eigenen Stelle das tun, was man für nötig hält, und darauf vertrauen, dass das die Anderen auch tun. Mit Glück – das brauchen auch Kommunisten – wird dann aus chinesischer harmonischer Entwicklung, „bolivarischer Revolution“, erfolgreichen Wahlkämpfen und Kampfkraft in verschiedenstem Sinne weltweit ein Übergangsprozess, der das Überleben der Menschheit ermöglicht. Ja, Glück braucht man auch wegen der unmerklichen Gefährdungen. Einmal mehr ein Dioxin-Skandal. Im Moment werden nur Zahlen bekannt. Was, wenn solch Profitjagd-Ergebnisse zum Beispiel die Zeugungsfähigkeit nachhaltig minimieren? Ein schleichender Contergan-Skandal, aufgedeckt in Jahren?!
Die entscheidende „Front“ im Kampf um eine überlebenswerte Zukunft ist die Vernunft. Solange die Entgeistungs-Impfungen gegen allein den Gebrauch des K-Wortes noch wirksam sind, gehen wir einer traurigen Zukunft entgegen ...