... Dann aber passierte etwas Ungewöhnliches. Es ist klar, dass wenn auf solche Weise immer wieder jemand kam von „da oben“, der sich nicht überheblich zeigte, dass man mit ihm quatschte - auch über Arbeitsangelegenheiten. Und irgendwann wunderten wir uns über überquellende Überschüsse an einer Ventilsorte, von der es eigentlich gar keine hätte geben dürfen. Buchtechnisch. Es stellte sich heraus, dass bei einem Fertigungsvorgang eine vorgefertigte Verschraubung nicht passte und die Arbeiter das vorgesehene Ventil dann durch ein anderes ersetzten. Das ausgebaute existierte zum Erbrechen, das dafür eingebaute fehlte natürlich. Dort hatte irgendwer etwas falsch gemacht, falsch geplant oder was auch immer…
Schließlich entdeckten wir den Fehler in der technischen Zeichnung. Der Kampf begann … und er endete mit einem gemeinsamen „Neuerervorschlag“. Die versoffenen Rumsitzer mit ihrer missglückten Schulbildung – schließlich waren das alles DDR-Schüler, die ihre Schulen mit schlechten Noten beendet hatten – waren nicht wieder zu erkennen. Mit einem unbeschreiblichen Eifer versuchten sie die gemeinsame Aufgabe zu lösen, die eigentlich über ihre Möglichkeiten ging. Sie erwiesen sich im höchsten Maße als kameradschaftlich (teamfähig würde man wohl heute sagen), und waren unbeschreiblich begeistert, etwas am großen Ablauf verbessern zu können. Plötzlich, als sie selbst an der Lösung eines Problems tüfteln durften (der Natur des Problems wegen mussten), übernahmen sie ganz selbstverständlich (auch ohne Lunikoff) die Initiative. Dieselben Menschen, die sonst überwiegend angetrunken von Schichtbeginn an den Dienstschluss erwarteten, empfanden sich als wichtig für das große Ganze. Sie handelten plötzlich als „Volkseigentümer“ - stolz auf ihren sichtbaren Wert.
Ich will nur als Randnotiz ergänzen, dass wir letztlich hart dafür „bestraft“ wurden. Ein Mädchen im Büro für Neuererwesen, das bis dahin nicht recht gewusst hatte, wozu sie eigentlich da war, erlebte ihre große Zeit. Da war etwas passiert: Ein Kollektiv aus Arbeitern und Angestellten hatte eine Projektantenarbeit bewältigt. Oh, und daran waren auch noch viele Jugendliche beteiligt. Dann machen wir die zur „Jugendbrigade“. Und jetzt müssen sie natürlich planmäßig (!) „neuern“ und … Also viel Bürokratisierung, die der spontanen Kreativität Planbahnen aufzwängen wollte. Aber das lege ich als „realsozialistisch“ deutsch zur Seite.
Wichtiger war etwas Anderes: