Posts mit dem Label Geradlinigkeit des Denkens werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geradlinigkeit des Denkens werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 24. Februar 2011

Von der Geradlinigkeit des Denkens (5) unsere Epoche

Die 5. Etappe begann 1989 und umfasst mehrere Tendenzen:
1. Die Auflösung eines Staatengebildes, das vorgegeben hatte, den Sozialismus real entwickelt zu haben, obwohl im Inneren nur einige wesentliche materiellen Voraussetzungen geschaffen worden waren, auf deren Basis der Sozialismus hätte aufgebaut werden können.
2. Die partielle Atomisierung der Kräfte einer Weltbewegung für den Sozialismus, die ausschließlich dieses Gebilde als positive Orientierung verwendet hatte.
3. Die Medienbeschallung mit der Legende der Überlebtheit der kommunistischen Idee gewinnt absolute Dominanz und zeigt wegen fehlender Gegenwehr weitreichende Wirkung.
4. Ideologisch mit dem sogenannten Neoliberalismus wirtschaftspolitisch flankiert verbreitet sich wieder die durch das Wirken des ausgeschalteten "Realsozialismus" eingeschränkte offene Unmenschlichkeit des Systems in seiner Allseitigkeit. Teile der Menschheit werden sowohl praktisch als auch ideologisch aus allen Entwicklungen als chancenlose Verlierer ausgeklammert.
5. Die Entwicklung der materiellen Basis der Welt hat einen Punkt überschritten, von dem ab die extensive Markterweiterung nicht oder nur zu Lasten vorhandener sozialer Errungenschaften möglich ist. Die Formen des Kampfes um die Neuaufteilung der Welt zwischen den imperialistischen Gruppen werden vielfältiger und aggressiver - militärische Optionen wahrscheinlicher.
6. Die neu entstandenen technischen Voraussetzungen für die Gestaltung einer kommunistischen Weltkultur im weitesten Sinne werden zu immateriellen Marktsegmenten verzerrt.
7. Elemente einer potentiell sozialistischen Orientierung bestehen nur als integrierter Bestandteil einer kapitalistischen Weltgesellschaft - bewusst in China, weniger bewusst in Teilen Lateinamerikas.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Von der Geradlinigkeit des Denkens (4) unsere Epoche

Schwierig ist bereits Etappe 4. Wer ein genaues Startjahr möchte, wäre mit 1973 am besten bedient. Der faschistoide Putsch in Chile war die Eröffnung eine umfassenden imperialistischen Gegenoffensive unter dem Mantel des „Neoliberalismus“. Dieser Strategie kam zugute, dass es sich bei den ihre neue Geschichte suchenden Staaten fast ausschließlich um ökonomisch schwache und strukturell durch die koloniale Periode deformierte Wirtschaften handelte.
Auf dem Gebiet der Produktivkräfte zeigte sich ein neuer, aus dem herkömmlichen Marxismus heraus schwerer zu deutender Vorgang: Die Ablösung von äußerlich wachsenden Produktionseinheiten durch individualisiertere. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt zergliederte nicht nur den Produktionsprozess in kleine Teilprozesse, er differenzierte stärker deren Qualität und gliederte sie aus. Dieser Prozess gelang in den sozialistisch orientierten Staaten nur punktuell und brachte eine Entwicklungsverlangsamung. Dem stand das neoliberale Kolonialismus-Konzept gegenüber, das eine konzentrierte Stärkung von Machtzentren auf Kosten schwächerer Massen durchsetzte. International wuchsen die Grade der extensiven Ausbeutung. Ein solcher Vorgang hat in Sozialismuskonzepten keinen Platz. Ein eigenes Konzept fehlte und wurde durch Illusionen einer Mischung von Misstrauen in die eigenen Kräfte und Nutzbarkeit von Kapital zum Aufbau des Sozialismus sowie politischer Verleugnung von Notwendigkeiten ersetzt. Die Einheit dieser Komponenten brachte einen inneren Kollaps, der international durch Kapitalkräfte steuerbar war.
In Etappe 5 leben wir heute.

Dienstag, 22. Februar 2011

Von der Geradlinigkeit des Denkens (3) unsere Epoche

Meine „Epoche“ beginnt mit der Pariser Kommune. Hier definieren sich die wesentlichen Kontrahenten (entstanden sind sie früher, also mit der Herausbildung des „Kapitalismus“). Auf der einen Seite das internationale Kapital (wer das plötzliche Zusammenspiel derer, die gerade Krieg gegeneinander geführt haben, genau betrachtet, sollte vor Illusionen zurückschrecken), auf der anderen Seite die Proletarier mit den ihnen nahe stehenden Volksmassen.
Seine Etappe 1 endete in der Oktoberrevolution. Bis dahin ging es noch (fast nur)um die besten Ausgangspositionen für einzelne Kapitalgruppen auf der ganzen Welt. Dem stand die Herausbildung einer Klasse der Arbeiter für sich gegenüber.
Seine Etappe 2 geht bis 1945. Für diese Etappe sind zum einen die überwiegend militärischen Mittel zur Niederschlagung realer sozialistischer Ansätze kennzeichnend. Die technische Voraussetzung zur Beendigung der Menschheitsgeschichte ist noch nicht gegeben, die moralische liegt im Imperialismus und findet im Faschismus eine äußere Form. Insgesamt enthält diese Etappe einen Trend zur relativen Stärkung des sich real organisierenden rückständigen Sozialismus.
Seine Etappe 3 geht bis zur Mitte / Ende der 60er Jahre (etwa). Auf der einen Seite steht die erstmalige reale technische Möglichkeit zur Beendigung aller menschlichen Entwicklung. Auf der anderen Seite entwickelt sich eine Gegenkraft in mehreren Gestalten relativ stürmisch. Dies ist die Wirtschaftskraft der sozialistisch orientierten Staatengemeinschaft überhaupt. Leider wesentlicher ist die Schaffung eines Potentials, mit dem die Möglichkeit der imperialistischen Destruktivkraft am Wirksamwerden gehindert wurden. („Leider“ deshalb, weil dadurch die Entfaltung sozialistischer Potenzen in ihrer Breite verhindert wurde) Im Sinne der Weltentwicklung gleichwertig schien die Breite der Entwicklung national unterdrückter Weltteile. Das System des offenen Kolonialismus brach fast vollständig zusammen, Ansätze einer Orientierung am Sozialismus in den bisher kolonial unterdrückten Ländern spielten zumindest eine nicht unwesentliche Rolle. Die Integration der widerständigen „68er“ in den Zentren des Kapitalismus ins eigene System, also letztlich das Scheitern der Arbeiterklasse dort, leitete das Ende dieser Etappe ein.

Montag, 21. Februar 2011

Von der Geradlinigkeit des Denkens (2)

Das ist jenes Problem Kapital. Letztlich gab es „Kapital“ schon lange vor dem Kapitalismus. Allerdings im Wesentlichen nur als Bankkapital. Dort wirkte es zu großen Teilen wie heute: Zuerst war es Geld, das wird an jemanden gegeben, der damit arbeitet (bzw. damit arbeiten lässt, was hier aber nicht das Entscheidende wäre, weil der jemand selbst „die Produktion“ war), letzte Stufe mehr Geld bei dem, der es zuerst besessen und andere damit hat arbeiten lassen. Dieses Geld war DESHALB „Kapital“. Das Neue am Kapital-Ismus ist „nur“ die bestimmende Rolle des „Kapitals“ im gesamten gesellschaftlichen Leben. Es gibt selbstverständlich daneben noch archaische Produktionsweisen. Aber sie sind eben nur Ergänzungen, Abrundungen der Welt – so wie zuvor der Wucherer nur Ergänzungen und Abrundungen seiner archaischen Welt war. Die Leistung eines Marxisten ist dabei, das Wesentliche, Bestimmende für eine Zeit, einen Sachverhalt, herauszuarbeiten – allerdings ohne zu vernachlässigen, dass es daneben „nicht dazu passende“ Erscheinungen gibt, die unter bestimmten Bedingungen wesentlich werden können.
Womit ich beim Grundsätzlichsten wäre.
Verzeihlich ist der Optimismus in den 70er, die Epoche einfach die des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus zu nennen (so wie es unverzeihlich wäre, diese Einschätzung heute falsch zu nennen. Dieses Recht hätten nur Aliens, die irgendwann auf die Erde kommen, und feststellen, dass hier einmal intelligente Wesen gelebt haben müssen). Allerdings hätte die Spielerei mit der Zeit, also die Einordnung der Menschheitsgeschichte und der modernen mit Klassen belasteten Geschichte in die Erdgeschichte auch damals schon einen provokativen Schluss zugelassen:
Ich wage eine härtere „Epochendefinition“: Wir leben in einer Zeit, in der alle bisherigen Betrachtungen von Geschichte enden. Welche Option siegreich sein wird, ist noch offen. Also anders ausgedrückt: Dies ist die Zeit, in der die Menschheit entscheidet, in eine Zeit ihrer eigenen Entfaltung einzutreten oder abzusterben. (wobei dieses Absterben ein sehr kurzer, aber auch ein sehr langer Degenerationsprozess sein kann.) Der „Übergang … zum ...“ nimmt den positiven Ausgang dieser Entscheidung vorweg. Eine solche Naturnotwendigkeit wie in der Abfolge von Feudalismus und Kapitalismus gibt es leider nicht.

Sonntag, 20. Februar 2011

Von der Geradlinigkeit des Denkens (1)


Mein, also Herbert Driebes, Geschichtsseminar hat gestern begonnen. Zum Aufwärmen waren noch „Meinungen“ erlaubt – also das, was jeder so mitbringt, ohne zu wissen. Dann kam der Film „Die alte neue Welt“ von den Thorndikes in der DDR in den 70er gedreht.
Die Wertung von Herrn Driebe „Das stimmt so alles“. Das macht die Sache spannend. Weil es eben die Frage der Wahrheit aufwirft als praktisch agitatorisches und als philosophisches Problem. Denn aus heutiger (aber auch aus damaliger) Sicht sind einige Stellen peinliche Propaganda.
Aber …
60 Prozent des Films stimmen in einem Sinn, dass man die Passagen ohne Bearbeitung von Text und Bildern immer noch als „aktuell und zutreffend“ charakterisieren kann.
Dann kommen Stücke vor, die von ihrem prinzipiellen Gehalt stimmen, aber eben von neuen Zahlen überholt worden sind. Das betrifft in erster Linie tatsächlich verwendete zur Zeit des Drehs aktuelle Zahlen. Es leben im Moment eben ein paar mehr als vier Milliarden Menschen auf der Erde. Ich fürchte, dass das dabei zustande kommende Verhältnis, wie viele darunter in echter Armut, also bedroht von tatsächlichem Hungertod, leben müssen, sich noch verschlechtert hat.
Als Krümelkacker interessieren mich aber ausgerechnet die wenigen Prozente besonders, in denen mit oder ohne Absicht vereinfacht wurde.
Dabei geht es um ein Prinzip, das der Genosse Driebe in seinem Buch über die Globalisierung überzeugend dargelegt hat: (Herbert Driebe „Globalisierung – imperiale Tragödie in neuem Outfit“) Es ist schon vorher etwas da – es hatte nur noch nicht die durchgreifenden Folgen und die umfassende Bedeutung.
Ein Beispiel ist die Sicht auf die Revolution der Produktivkräfte vor 300 Jahren. Im Prinzip ist sie richtig. Mit der sich über Manufakturen herausbildenden Maschinerie entstand ein gesellschaftlich völlig neues Verhältnis zur Arbeit – aber nur, wenn man es als Ganzes und von seine Bedeutung her sieht. Der Film erweckte jedoch den Eindruck, als sei es geschichtlich völlig neu, als wäre die Rolle vergegenständlichter Arbeit als Beziehung des Einzelnen neu. Es klang sogar konkret an, dass zuvor die Arbeitenden alle Schritte ihrer Produktfertigung, also auch ihre Werkzeuge selbst gemacht hätten. Jeder Schmied, jeder Handwerker produzierte natürlich vorher schon etwas, was im Folgenden Halbfertikat oder Werkzeug war. So neu war „nur“ die extreme Zerstückelung von einheitlichen Prozessen in ihre Teilschritte – wodurch dann (und das sagt und meint der Film dann wieder genau) der Arbeitende keinen Bezug mehr zu seinem Erzeugnis haben kann, er nur noch Anhängsel der bereits per Maschine vergegenständlichten Arbeit … letztlich also des Kapitals wird.