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Mittwoch, 7. Dezember 2011

Darwin und ein wenig Spekulation (2)

Sagen wir so: Unsere bekannte Pflanzenwelt wäre total ärmlich, wenn sie sich nach dem Prinzip des Kampfes ums Überleben der Fitten allein organisiert hätte. Im Falle eine „Gegnerschaft“ wären die Insekten gefressen worden. Es erschien aber „sinnvoll“, diese Tiere zu Helfern beim eigenen Überleben zu machen.
Ich wage zu behaupten, dass die Entstehung von „Organen“ auf das Wirken eines „symbiotischen Prinzips“ zurückzuführen ist. Eine „innere Logik“, die Zellengemeinschaften bevorteilt haben muss, bei denen Lebensaufgaben spezialisiert ausgeführt wurden. Der Hauptzweig förderte diese Spezialisierung innerhalb eines relativ festen körperlichen Systems, also klar umrissene Organe eines Gesamtlebewesens, ein anderer ermöglichte Systeme frei strukturierter Eigenlebewesen zu einer Überlebensgemeinschaft. Letzteres also besagte Darmbakterien innerhalb des Wirtskörpers; man kann aber auch im weiteren Sinne Insektenvölker dazu zählen: Bestimmte Vertreter einer Art existieren nicht mehr in erster Hinsicht als einzelnes Lebewesen, sondern sichern „nur“ das Überleben des Metakörpers „Volk“. Man sollte sich dabei vor jeder Bewertung hüten. Ich behaupte allerdings, dass in symbiotischen Systemen das kreativere Potential steckt – etwas was in einer ungesteuerten Natur zur Selbstzuwucherung alles Lebens führte, würde es nicht früher oder später durch Auslesemechanismen ergänzt. Ergo: Ich bin überzeugt, die Symbiosen waren zuerst da.
Und nun stoßen wir mit dem Menschen erstmals auf die Potenz der bewussten Gestaltung. Ich sage absichtlich „Potenz“. Also es geht um die wachsende Möglichkeit, Folgen von Eingriffen ins Gesamtsystem belebte Natur über die unmittelbare Folge des konkreten Eingriffs hinaus zu beurteilen. Die rohe natürliche Weise, mit der das Ausufern einer Evolutionslinie über eine Gegenlinie, dessen durch eine weitere und immer weiter fort verhindert wird, verliert ihre Notwendigkeit. An ihre Stelle treten (mindestens) zwei Haupttrends: Erst einmal schafft der Mensch „Übersichtlichkeit“ im Sinne der Verminderung der Gegenlinienzahl. Also „Lebewesen“, die das ungehemmte Verbreiten bestimmter Lebensformen bremsen, werden als „Krankheiten“, „Parasiten“, „Raubtiere“ usw. bekämpft. Damit werden Systeme geschaffen, die nur der relativen Besserexistenz der Menschheit zu nutzen scheinen. Damit schreibt „die Menschheit“ eine „Selbstverpflichtung“ zur bewussten „Verbesserung“ des Vorhandenen. Was wäre denn der Sieg übe eine tödliche Krankheit wert, wenn das Leben der „gesunderen“ Menschen weniger lebenswert wäre?
So muss die Menschheit auch einen anderen Trend bewusst wagen: Vorsätzlich die Vielfalt der Lebenszusammenhänge, deren eines Teilchen der Mensch als Art ist, erhalten. ...Aber eben auch bewusst neue Selbstverwirklichungsmöglichkeiten schaffen, die ein immer ausgeklügelteres System des eigenen Weiterexistierens ermöglichen. Primitiv gesagt: Wer nicht will, dass Menschen bestimmter Eigenart faschistisch ausgelesen werden, muss Plätze schaffen, in denen sie „sinnvoll“ sind.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Darwin und ein wenig Spekulation (1)


Darf ein „Marxist“ über etwas spekulieren, was unter aktuellen Bedingungen teilweise nicht nachprüfbar ist? Wer also hier nein sagt, sollte nicht weiter lesen.
Als die Darwinsche Evolutionslehre veröffentlicht wurde, war sie grundsätzlich revolutionär. Die Erkenntnis, dass die vorhandene Artenvielfalt des Lebens keine „gegebene“, sondern eine „gewordene“ ist, vertrieb Ideen eines einmaligen „Schöpfungsaktes“ „göttlicher“ Art ins Reich der religiösen Ahnungslosigkeit. So weit so gut.
Verwunderlich finde ich trotzdem, dass es so wenig Widerspruch von „links“, genauer aus der Ecke dialektischer Denker gegeben haben sollte. Insofern vermag ich vieles auch nur als Fragen zum Weiterdenken in den Raum werfen.
Was stört mich an der Methode?
Ich halte sie für einseitig und insoweit undialektisch. Ein dialektisches Herangehen an einen Sachverhalt schließt Mehreres ein: Dass er sich in ständiger Entwicklung befindet, dass er sich vom Niederen zum Höheren entwickelt, dass er sich in Wechseln von allmählich Evolutionärem und sprunghaft Revolutionärem zeigt … vor allem aber dass er immer neu als Einheit von mindestens zwei Widersprüchen auftritt.
Um es anhand der wörtlich genommenen Faust-Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, zu sagen: Es ist nie EINE Kraft. Im Moment unterscheiden wir vier Kräfte. Wichtig ist, dass immer mindestens zwei eine relative Harmonie schaffen. Die Erde bewegt sich um die Sonne, weil sie selbst über Energie verfügt, die verhindert, dass die Gravitationskraft der Sonne uns in unser Zentralgestirn hineinzieht – ein Modell, das mit anderen Komponenten auch für die Atome gilt.
Die biologische Auslese der Fittesten kann sozusagen philosophisch nur die Kraft in eine Richtung sein. Früher oder später blieben nur noch die Fittesten der Fittesten und dann auch die nicht mehr, da sie allein gar nicht mehr existieren könnten.
Es muss also noch etwas grundsätzlich entgegen Gerichtetes geben. Dafür spricht auch ein logischer Gesichtspunkt: Eine Auslese der Fittesten kann nur aus bereits vorhandenen Fitten erfolgen. Also eine göttliche Urschöpfung durch die Hintertür?!
Und nun wird es schwierig. Ich bezeichne das „Gegenprinzip“ als das der Symbiose. Nun kennen die heutigen Evolutionsstufen Symbiosen, vor allem im engeren Sinn, nur noch als exotische Randerscheinungen. Man wählt dort gern das hübsche Bild des Einsiedlerkrebses mit „seiner“ Anemone auf dem Rücken. Das kann man bestaunen „Wie niedlich!“ oder schlimmer „Schaut, auch so etwas hat die Evolution hervorgebracht!“
Was aber, wenn Symbiosen die Mütter der Evolution sind?
Gehen wir erst einmal davon aus, dass alle Ursprünge der Evolution nicht unmittelbar bewusst waren, es also keinen „Gedanken“ gab, was zweckmäßig war.
Gehen wir weiter davon aus, dass es Strukturen gab und gibt, die objektiv zweckmäßig sind.
Hier verstehe man unter „zweckmäßig“ die (erweiterte) Reproduktion von Leben. Leben wiederum definieren wir als in sich relativ geschlossenes System geballter Information mit Selbsterhaltungsmechanismus. „Relativ geschlossen“ sowohl räumlich als auch zeitlich. Also Leben definiert sich auch über den Tod.
Nun hoffe ich, auf nicht zu großen Widerspruch zu stoßen, wenn ich jeden einzelnen Menschen als System von festen funktionalen Teilsystemen und Symbiosen bezeichne, wobei manches dabei eine Definitionssache ist: Ohne unsere „Organe“ würden wir nicht „leben“, aber eben auch nicht ohne das „Leben“ bestimmter Darmbakterien.  

Samstag, 18. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (7)

Das Ausleseprinzip herrscht bis heute vor, da das "System" in dem die Beziehungen zu den anderen "Systeme" bewusst gestalten wird, selbst erst Ergebnis bewusster Gestaltung, man könnte auch gereifter menschlicher Vernunft wäre / sein muss. Ein solches System müsste dazu das Zusammenwirken der wesentlichen Faktoren innerhalb des Gesamtsystems „Natur“ verstanden haben. Dieses Verstehen müsste alle Wechselwirkungen einschließen, also warum sich das zweite Untersystem parasitär wuchernd vermehrt, wenn man das dritte einfach nur bekämpft – womit auch das erste selbst geschädigt wird. Die Ordnung der Natur wurde also durch das entgegengesetzte Bestreben anderer Systeme, sprich Lebewesen, hergestellt, genauer, das Gleichgewicht dieser entgegengesetzten Bestreben, weil es kein anderes, besseres Prinzip gab. Es mussten sich jeweils für jedes Wesen ein „Parasit“ herausbilden, weil anders kein Gleichgewicht entstehen konnte. Möglich wäre aber auch theoretisch die relative Harmonisierung der Beziehungen des Lebens über das Verstehen.
  Also noch einmal: Auslese der Angepasstesten ist nicht das alleinige Naturprinzip zur Entstehung und Höherentwicklung der Arten. Es ist ein auf einer bestimmten Entwicklungsstufe vorherrschendes Prinzip, dessen Bedeutung davor kleiner war und danach wieder immer kleiner werden wird. Es wirkt besonders stark, wenn ein schon erreichtes Gleichgewicht gehalten werden soll, ohne dass eine bewusst regelnde Kraft wirkt. (Es wirkt allerdings später auch – ist es aber bekannt, kann es in geplante Regelkreisläufe eingebaut werden.)
Der Mensch hat schon laufend in Naturgleichgewichte eingegriffen. In den bisherigen Fällen mit einer bewussten Absicht, die er, wenigstens vorübergehend, meistens auch erreichte, und (unterschiedlich schwer wiegenden) Nebenwirkungen, die er nicht beabsichtigt hatte. Dieser Vorgang wird sich weiter laufend wiederholen. Die „Gleichgewichte“, die der Mensch bewusst schafft, sind immer Kleinsysteme, sagen wir als Beispiel einzelne Getreidefelder, auf denen entgegen der ausgleichenden „Hand“ der Natur nur ein bestimmtes, von Menschen gewolltes Produkt wächt. Die Natur entwickelt Gegensysteme, die aus der begrenzten Sicht des Menschen Parasiten bzw. Krankheiten sind, gegen die er wiederum Gegenmittel entwickelt. Letztlich versetzt ihn das jedoch prinzipiell immer besser in die Lage, die Naturgleichgewichte zu verstehen und mit den eigenen Interessen in Einklang zu bringen (oder umgekehrt: die eigenen Interessen in Einklang mit den Naturgleichgewichten bringen!)

Freitag, 17. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (6)

… Nebensächliche Randerscheinungen der Natur?! Wo mal zufällig ausnahmsweise das Grundprinzip des „Jeder gegen Jeden“ durchbrochen wird? Selbst die Natur bringt am Rande Kibbuz und Kleinkommune zu Stande?
Könnte es sein, dass wir bei dieser Art zu sehen die Länge der Evolution vergessen? Könnte es sein, dass die Zeit der mühsamen ersten Versuche der größeren Lebensorganisation im Verhältnis zu den „heutigen“ Zeiträumen, in denen es große Fresser und große Gefressene gibt, viel länger war?
Uns fehlen aus diesen Zeiten einfach die materiellen Belege. Weil es für sie keine geben kann – höchstens auf einem „jüngeren Planeten“, wo sich gerade „Leben“ entwickelte.
Was aber ist mit den Pflanzen? Bedürfen nicht auch heute die meisten von ihnen Zusammenwirken mit anderen Lebewesen, die wir bei großzügiger Handhabung des Begriffs als Symbiosen bezeichnen könnten?
Könnten nicht alle (oder die meisten) der uns bekannten Organe Ergebnisse verfestigter „Symbiosen“ sein? Ein- bzw. Kleinzeller gleicher Funktionsweise fanden sich (über enorm lange Zeiträume betrachtet) zusammen, um sich gegenseitig die Existenzbedingungen zu verbessern? Das heißt, sie taten dies nicht zielgerichtet, aber zufällig eben doch – mit Erfolg. Aus der Weitergabe der erfolgreichen „Kooperation“ ist ein neues, größeres System entstanden, in dem die ursprünglichen vielen Einzelgänger miteinander verkoppelt sind? Weil sie das sind, waren sie besser an die Umwelt angepasst. Als neues Gesamtwesen (bzw. als „Organ“ innerhalb eines künftigen Gesamtwesens)?
Es wäre ein frühes Evolutionsglied. Stark vereinfacht zugegebenermaßen, aber sinnvoll.
Dann hätten wir zwei Prinzipien, wobei das Ausleseprinzip die Oberhand (vorübergehend bis heute) gewann, sobald die symbiotische Evolution zu ihrer wilden Potenzierung geführt hätte.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (5)

Zurück zur „Leistungsgesellschaft“ Kapitalismus bei Darwin.
Was, wenn der Fehler nur in der einseitigen Überhöhung einer Seite der Entwicklung, läge, weil man das andere dabei wirkende Prinzip einfach als nebensächlich übersehen hättet? So wie während alles Klassengesellschaften das kommunistische Prinzip, das, wenn es denn überhaupt wahrgenommen wird, als nebensächlich betrachtet bzw. bekämpft wird. Weil es innerhalb dieser Klassengesellschaften eben untergeordnet, nebensächlich ist?!
Passiert es uns vielleicht im Umgang mit Darwin, dass das uns als Menschen gemäße Prinzip durch uns selbst ungewollt „unterdrückt“ wird?
Im modernen Sinn gibt es neben dem allgemeinen Kampf ums Überleben, um die beste Überlebenskampfstrategie gegen den Rest der Natur ein paar Nischen der Symbiose. Verschiedenartige Lebewesen finden sich zusammen, wobei das eine die Lebensbedingungen des anderen verbessert. Es kann z. B. sein, dass eines das andere in neue Jagdgebiete trägt, dass eines das andere schützt, ja, dass der eine vom „Abfall“ des anderen lebt. Die Forscher empfinden das heute mitunter als exotische Randglosse der Natur, nach dem Motto „Was es so alles gibt ...“. Zahnbürstenfische für Haifischzähne … um etwas besonders abartig Erscheinendes zu benennen. (An Krebse mit Anemonen hatte man sich ja schon gewöhnt.)