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Freitag, 2. Dezember 2011

Gleichheit allein durch Cyberspace?


Die Sendung ist interessant. Zugleich merkt man, wie viel Wahres sich durch wenige grundsätzliche Unwahrheiten erdrücken lässt.
Wir können die Legende vom Idealismus der Urväter des Systems der Vernetzung des world wide web noch so oft wiederholen … sie wird nur eine „Teilwahrheit“. Die theoretische Gleichheit des freien, regellosen Zugangs zu Informationen ist praktisch den Gegebenheiten der gesellschaftlichen Verhältnisse unterworfen.
Richtig ist, das WWW in seiner revolutionären Kraft mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen. Aber im Prinzip haften dem Vergleich dieselben Vorbehalte an. Die damals leichter verfügbaren geistigen Menschheitspotentiale waren nicht die Lösung. Sie waren nur ein gewaltiges Mittel, eine gesellschaftliche Lösung zu befördern.
Natürlich hätten die Ideen, die letztlich den Zerfall des Feudalismus zur Folge hatten, ohne gedruckte Bücher um ein Vielfaches langsamer Verbreitung gefunden. Aber ohne Dampfmaschine, Fabrikproduktion überhaupt, hätte den „Ideen“ im Sinne der gesellschaftlichen Vorstellungen der materielle Boden gefehlt. Die deutsche Frühbürgerliche Revolution blieb stecken, der freie Bürger entfaltete sich erst drei Jahrhunderte später … in Frankreich nach seiner englischen und niederländischen Ausführung.
Wir sind nicht automatisch das, was die technischen Potentiale uns erlauben. Wir werden es nur durch unser revolutionäres Handeln.
Längst hat das Große Geld das Medium Netzfreiheit durchdrungen. Nicht Gleichheit … der ahnungslose User macht sich seinen Plünderern gegenüber auch noch freiwillig nackig.
Die folgenden Dinge sind eben voneinander zu unterscheiden:
  • alles sagen und schreiben können, sodass jeder in der Masse untertaucht,
  • die Mittel haben, sich selbst herauszuheben, was schon die Gleichheit aufhebt,
  • die Lehre ziehen, dass der Besitz an bestimmten Mitteln eben doch entscheidend ist,
  • die Besitzverhältnisse ändern …
Ohne veränderte Besitzverhältnisse werden die ekligsten Seiten des Kapitalismus, die totale Vermarktung jedes Lebensmoments, die Verwandlung des Menschen in einen überwachten und fremdgesteuerten Kunden, praktisch nur perfektioniert.

Sonntag, 23. Januar 2011

Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit (2)

Als die reale Geschichte den Visionen offensichtlich hinterher zu hinken begann, arbeitete Marx verstärkt an der Analyse jener Mechanismen der gegenwärtigen Gesellschaft, um seine Lebensfähigkeit nicht nur zu verstehen, sondern seine Beschränktheit erklären zu können. Für die folgenden Epigonen verselbständigte sich der Begriff der „Diktatur des Proletariats“ jedoch, verlor er oft seinen Bezug auf die reale alltägliche Kapital-Diktatur. Lenin nutzte einen der Spalte zwischen den Zeiten – das russische Proletariat war noch relativ unverdorben jung und das internationale Kapital hatte die Menschheit in einen qualvollen Weltkrieg geworfen - und versuchte, den notwendigen und politisch möglichen schnellen Schritt. Die welthistorische Dimension wurde aber durch das Versagen der europäischen, besonders des deutschen Proletariats ausgehöhlt. Das Jahr 1920 erlebte die Welt in einem Zustand, der so von Marx und Engels nicht „einkalkuliert“ worden war: Das riesige rückständige Land im Zangengriff der erfolgreichen internationalen Bourgeoisie. Wirtschaftlich, militärisch, politisch, ja selbst kulturell. Kriegskommunistische Anläufe erwiesen sich als offensichtliches Fiasko, weil es ihnen am notwendigen Umfeld mangelte. So war die geschichtliche Absurdität möglich, dass der Begriff „Kommunismus“ in Verbindung mit einem Stalin geraten konnte, bei dem sich Notwendigkeiten mit persönlicher Zweifelhaftigkeit und aus vielen Quellen angehäufter Macht eines Individuums im Namen einer imaginären Masse (Klasse) miteinander verbanden.
Inwieweit der entstandene Gordische Knoten auflösbar gewesen wäre, bleibt Spekulation. Dass die Folgenden dem Verführerischen der entstandenen Lage erlagen ist bis zu einem bestimmten Maß sogar verständlich.
Praktisch war aber die verblüffende Folge, dass es den kapitalistischen Staaten gelang, im Rahmen der „Schlussakte von Helsinki“ die „Menschenrechte“ als das Gut einzuklagen, das das ihre sei, wo den „diktatorischen Regimes“ Zugeständnisse abgetrotzt werden mussten und konnten.
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“? Real hatten beide Seiten sich von dem Ideal verabschiedet – wenn auch aus verschiedenen Gründen und in verschiedenen Horizonten: Das Kapital, weil nur es selbst die Freiheit „verkörperte“, sie also nur in dem Maße umsetzen konnte, wie Menschen Kapital besaßen oder waren. (Im Prinzip konnte jeder alles – er musste es nur bezahlen können.)
In den Staaten, in denen die ökonomischen Binnenbedingungen für den Aufbau des Sozialismus bestanden, stellte eine zur Macht gezwungene bzw. gediente Elitekaste fest, wie gut es war, Partei des in einer Diktatur des Proletariats herrschenden Klasse zu sein, die die Macht ausüben müsse, für diese Klasse. Damit sei keinem Genossen von vornherein seine Ehrenhaftigkeit abgesprochen. Es geht nur um den entstandenen Nährboden, der Gorbatschows und Schabowskis leider fast zwingend hervorbringen musste. So entstanden Zerrbilder eines Systems, das eigentlich an die Utopie der Bürgerklasse, als deren Eigeninteressen noch denen des Volkes entsprachen, fortführen, aufheben und praktisch umsetzen muss, hätte müssen ...

Samstag, 22. Januar 2011

Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit (1)


1789 trat die französische Revolution mit einem Slogan vom Ideal „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ in die Geschichte ein.
Ignorieren wir einmal das Blumige und glatt Schleifende, das jedem Slogan anhaftet, so ist als Ziel für zukunftsorientiertes Menschheitshandeln diese Orientierung gültig geblieben.
Wir wissen, dass die Losung unter Ungleichheit reproduzierende Eigentumsverhältnissen eine Illusion bleiben muss. Aber wird sie dadurch schlechter? War es nicht gerade das über die aktuellen Verhältnisse hinausweisende, das ihr so viel Anziehungskraft verschaffte.
Die Losung verschluckte zum Beispiel das Problem des Übergangs. Sie verschluckte einfach, dass zu aller erst die Gruppierung (Klasse) von der gesellschaftlichen Bühne verschwinden musste, die ihren Status von Geburt her über den anderer sozusagen Unter-Menschen stellte und dank eines Apparats stellen konnte. Sprich: Auch dieser Apparat musste weg. In welcher Form dies geschehen sollte, war vorher offen. Die „Aufklärung“ hatte sogar noch auf freiwillige Vernunft der Herrschenden gehofft. Letztlich mischten sich die Wut der Unterdrückten mit der sich bewaffnenden Widerstandskraft der alten Unterdrücker, die zu einem wesentlichen Teil zur physischen Vernichtung der ehemaligen Adligen führte. Während dieser Phase verselbständigte sich die „Gewalt“, wurde letztlich Beute neuer, wirtschaftlich auf die Machtübernahme vorbereiteter Herren – nennen wir sie Marx gemäß „Bourgeois“.
Um das Ideal, seine Ernsthaftigkeit, wurde es stiller. Es wurde ersetzt durch die Diktatur des Geldes, richtiger: des Kapitals, also jenes Geldes, das sich durch „Investition“ in „produzierenden Besitz“ vermehrt.
Es folgte eine Entwicklung, in der das Fortschreiten der realen Verhältnisse und deren theoretische Widerspiegelung auseinanderklafften.
Marx und Engels erfassten, was als nächstes passieren müsste, nennen wir es einmal die proletarische Weltrevolution zumindest in allen fortgeschrittenen Ländern der Erde. Marx stürzte sich auf das theoretisch unmittelbar dem Folgende Übergangsglied, erfasste, dass die Wirkung der indirekt zuschlagenden Diktatur des Kapitals nur abgebaut werden konnte durch eine direkt diese Schläge verunmöglichende Diktatur des Proletariats als zu diesem Zeitpunkt noch ungekaufte und nur „dumme“ Klasse. Da es der unmittelbar nächste Schritt hätte sein sollen, dessen Umsetzung Marx und Engels in unmittelbar bevorstehender Zeit erwarteten, schonten sie ihre Kräfte bei der Betrachtung des anzustrebenden Endes dieser Phase.