Überschrieben ist der gesamte Beitrag mit „Dialektik der Vernunft“, garniert überall mit vielen Hegel-Zitaten. Ich kannte ihn ja, jenen Hans Heinz Holz, auch schon früher als selbsternannten Hegelnachfolger, dem Marx leider nicht ganz gerecht geworden wäre.
Dieser Beitrag aber ist einfach … zu hart.
Man könnte die formale Logik ja so weit treiben, dass Holz hier Stalin als Heroen bezeichnet oder dem armen Hegel gar eine solche Wertung in den Mund legte.
Nun gut, er schmeißt alle Moralität in den historischen Mülleimer. Aber muss er so geschmacklos sein, Hunderttausende aufrechte Kommunisten, weil sie an einzelnen Schritten des Generalissimus offen zweifelten, Opfer wurden ihrer eigenen Überzeugung vor einem Selbstherrscher, als „...manche unschuldige Blume zertreten … auf ihrem Wege“ zu beleidigen?
Sollte der alte Mann meinen, er läge auf Lenins Linie, dann möge er daran denken, dass jener durchaus einen friedlichen Verlauf der russischen Revolution angestrebt hatte – noch 1917. Insofern gerät der Russische Revolutionsführer zum Schluss noch in eine Opportunistenecke zusammen mit Gesine Loetzsch. Natürlich ist sie „Sozialdemokratin“. Die Frage, ob sie NICHT auch wie Lenin Revolutionärin werden würde, wenn es die Klassenkampfsituation geböte (leider tut sie das nicht, jene aktuelle Klassenkampfsituation in Mitteleuropa), könnte nur in eine solchen Situation entschieden werden.
Irgendwie sehe ich mich als unnützer moralisierender Kleinbürger bereits von H-H-Holz-Köpfen erschossen.
Irgendwie sehe ich mich als unnützer moralisierender Kleinbürger bereits von H-H-Holz-Köpfen erschossen.
Der Artikel stinkt einfach nach Verabsolutierung des Terrors. Solange der Große Führer sagte, der Sozialismus bin ich, war (weil er wirklich nicht der Imperialismus WAR) alles was er tat, sozialistisch richtig und alles Andere nicht?!
Und ab dem XX. Parteitag war alles Essig? Ach wenn Stalin noch lebte, … dann gäbe es zwar keine moralischen Kommunisten mehr, aber wir hätten unser klassenkämpferisch-terroristisches System noch, also seines …? (Okay, Gorbatschow hätte dann auch eine Kalaschnikow rechtzeitig seiner Schädlichkeit beraubt.)
Natürlich hat Holz Recht mit dem Begriff eines „In sich widersprüchlichen Fortschritts“. Natürlich hat er Recht, dass die Revolution gerade Recht und Moral umkrempeln. Natürlich hat er Recht, dass (nur) Moralisieren nicht die Welt verändert. Aber ich bin dann schon der Meinung, dass Napoleon Interventions- und Eroberungskriege geführt hat, zumindest nach Überschreiten des Rheins gen Osten und damit der negative Aspekt seines Fortschritts damit bereits überwog – also der positive Terror dieser bürgerlichen Revolution nicht erst mit Waterloo endete.
Worauf Holz überhaupt nicht eingehen möchte ist, dass eben jener Stalin NICHT den Fortschritt als Heroe verkörperte, viel Schreckliches und der weiteren Entwicklung unserer gesellschaftlichen Bewegungsmöglichkeiten Abträgliches getan hat, aber eben auch viel zum Systemüberleben Notwendiges. Dass der Begriff „Stalinismus“, wenn man ihn nicht nur als Keule gegen „Kommunismus“ oder Vergleichbares einsetzt, eben die kreativen inneren Widersprüche aktivierenden Kräfte zugunsten eine Person abtötende Verhältnisse bezeichnet. Nicht politische Macht eine Klasse, sondern Verengung dieser Klasse auf eine Person und ihr militärisch-hierarchisch untergebene Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. War das ALLEIN Folge der komplizierten Klassenkampflage? Wo gehobelt wird fallen Späne und wer nicht rechtzeitig merkt, dass allein richtig sein kann, was der Generalissimus richtig findet, wird zum fallenden Span … Also die kommende Gesellschaft muss bereits in der Revolution BEGINNEN, eine eigene Moralität zu leben.
In seiner schamlosen Verherrlichung revolutionärer Unmoral entwickelt sich sich der alte Holz zu einer Gefahr für die notwendige Attraktivität der Gesellschaft, die wir unbedingt brauchen. Selbst, wenn der Vorwurf der Ahistorizität an den Geschichtsprofessor Pätzold richtig wäre, würde ich den vorziehen. Lieber ein Stück Stalin zu viel entsorgen und erreichen, dass sich die Massen für den Sozialismus / Kommunismus entscheiden, die keinen stahlmantelgeschossgehärteten Hegel aus der Zitatenkiste holen können, als ohne oder gar gegen die in der Barbarei kapitalistischer (Um-)Weltvernichtung zu krepieren.
Schützt sozialistisches Zeitungspapier vor Kindstötern. (Auch das ist „Dialektik“: Dadurch die Revolution verhindern, dass man ihre Gewaltaspekte in Momenten verherrlicht, in denen erst die Keime einer in ihrer Form völlig offenen neuen Revolution heranreifen sollen.)