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Sonntag, 13. Februar 2011

Bei Hans Heinz Holz entschuldigen? (5)

Heiligt denn wirklich der Zweck JEDES Mittel?
Meines Erachtens war es das so uneingeschränkte JA, das ich im Holzschen Beitrag herauslas, dem ich einer anderen Dialektik wegen nicht folgen kann: Der Dialektik von Inhalt und Form. Die Form kann nämlich zum Inhalt werden, die Erscheinung zum Wesen - und zwar nicht nur in der vorsätzlichen Propaganda der bürgerlichen Selbsterhalter (die greifen immer jede Erscheinung in ihrem Interesse auf und erklären sie zum Wesen) sondern wirklich.
Fehler, lieber Günther, macht man als Mensch, wenn man etwas macht. Als Gruppe, sprich Klasse, gilt es ALLE menschlichen Fehler zu analysieren, um sie so weit es geht, künftigenfalls eben zu vermeiden.
Insofern glaube ich nicht, dass ich "kein einziges Argument" hatte. Oder sollte ich HHH so missverstanden haben, als ich in seinen Worten hörte, das ist Revolution, da gibt es keine Moral? Und demzufolge vor Angst aufschrie, wir müssen diese Revolution mit unseren Menschen machen - sollen wir den sagen, seid unmoralisch, zumindest erlaubt uns, es zu sein? Ist nicht eher schon jetzt eine BESSERE (sozialistische) Moral gefragt? Kalteneggers? Zum Beispiel?
Und, lieber Wolfgang, die Frage, wem nutzt es, ist gut, aber selten einfach zu beantworten.
Der "Sozialist" / "Kommunist", der wohlmeinend sagt, wir sollten alle Kapitalisten BESEITIGEN?
Er hat nicht Unrecht. Aber wer nimmt ihn wie an? Wie groß war der Schaden derer, die im vorgeblichen Sinne des "Sozialismus" in der DDR ihr Süppchen gekocht haben? Wie groß war der Schaden, dass wir unsere Defizite so sehr unter den Teppich geschoben haben aus Angst, sie zu offenbaren, könnte dem Klassenfeind nutzen? Hat nicht letztlich gerade das Schönreden uns mehr geschadet?

Jeder hat seine Art aufzubrausen.
Für mich bleibt „Kommunist“ ein Ehrentitel, den man sich verdienen muss und den man wieder verlieren kann. Aber den SAUBER ZU HALTEN zu den Aufgaben derer gehört, die sich selbst für Kommunisten halten. Über die Form dieses SAUBER HALTENS aber muss man sich verständigen … unbeirrt von Antikommunisten. (Da haben WIR schon viele Fehler gemacht ...)

Samstag, 12. Februar 2011

Bei Hans Heinz Holz entschuldigen? (4)

… erst einmal richtig: Den Artikel zu dem Holz-Artikel habe ich emotional erregt geschrieben. Ich kenne den Philosophen ja, besonders seine Liebe zur Hegelschen Dialektik. Allerdings dessen Blümchenzitat empfand ich als Beginn der Debatte unterhalb der Gürtellinie.
Wenn eine Position, dass Verbrechen Verbrechen sind, Moralisieren ist, dann bin ich wohl ein Moralisierer. Ich wage mir kein Urteil, ob ein Stalin alles, was er getan hat, in der festen Überzeugung getan hat, es wäre für den Aufbau des Kommunismus notwendig, oder ob er nicht auch gelegentlich jener Verführung der Macht zum Opfer gefallen ist, einfach potentiell lästige Konkurrenten einfach zu Systemfeinden umzudeklarieren, um sie loszuwerden. Auch er war ein Mensch und es gehört ja zur sozialistischen Demokratie, dass die Macht im Staate TATSÄCHLICH zur Macht der Klasse des Proletariats wird ... um letztlich Schluss zu machen mit jeder politischen Macht.
Aber man neigt in Diskussionen zu Überspitzungen, denn als eine solche fasse ich den einen Kommentar auf. Für mich liest er sich so, als sei alles, was je Stalin zugeschrieben wurde, Göbbelsche Erfindung.
Für mich ist "Stalinismus" dank späterer Geburt weniger an die Person eines Stalin gebunden. Mich interessiert eher, ob es Machtmechanismen gibt bzw. genauer, wie man Machtmechanismen bekämpfen kann, die ja nicht nur den Stalin hervorbrachten - da sorgten mehrere Kriege mit dafür, dass der Ruf nach einem "Generalissimus" vernünftig erschien - sondern eben auch die schleichende Machtergreifung der kleinen Gorbatschow-Clique ermöglichte.
Die positive Auslegung wäre "Die zurückliegenden Jahre ohne Kapitalismus haben bereits ein Klima des Vertrauens so weit geschaffen, dass es in Sorglosigkeit gegenüber Saboteuren umgeschlagen ist". War es das? Oder war es nicht mindestens auch ein neuer "Untertanengeist", bei dem der Titel Zar durch den des Generalsekretärs / 1. Sekretärs abgelöst wurde?
Wir wollen doch möglichst bald das Heft der Geschichte wieder selbst in die Hand nehmen (und uns nichts von diversen Göbbels-Geistern vorschreiben lassen)

Freitag, 11. Februar 2011

Bei Hans Heinz Holz entschuldigen? (3)

Vielleicht habe ich das Falsche gelernt? Vielleicht hätte ich manches nicht für Ernst nehmen sollen? WIR knüpfen an alle positiven Ansätze der Menschheitsentwicklung an. Dazu gehört eben auch die Menschenrechtsdebatte der Aufklärung, dazu gehört auch der Elan der französischen bürgerlichen Revolution – hierin ginge ich mit HHH mit. Warum er aber Waterloo dazurechnet und demzufolge die Invasionsarmee in Moskau, da verstehe ich nicht, wenn ich das NICHT zu den wünschenswerten Erfahrungen rechne. Warum soll das kein Argument sein? Und wenn, dann müsste ich dem von Holz so geliebten Stalin Inkonsequenz vorwerfen: Jetzt, da wir den Scheiß des Weltkriegsimperialismus wieder zurückgeschwemmt bekommen haben, ist die Frage erlaubt, warum er nicht den Napoleonischen Drang gezeigt hat. Die italienischen Kommunisten, die griechischen, die kurdischen, um nur drei Beispiele zu nennen, hätten zwei wunderbare Generationen erlebt. Dann wären noch so einige Sowjetsoldaten „Blümchen“ gewesen, aber es wäre dem folgenden frühsozialistischen Block danach besser gegangen.
DIESE Logik hätte ich zumindest verstanden.

So, jetzt kontrolliere ich meine Erwiderung auf die Kommentare zum Anti-Holz, dessen „Niveau“ mir Leid tut … und für den ich mich entschuldige bei allen, die es ehrlich meinen mit unserer gemeinsamen Perspektive … auf den Gebrauch der deutschen Sprache ...

Donnerstag, 10. Februar 2011

Bei Hans Heinz Holz entschuldigen? (2)

Wahrscheinlich fühlte ich mich wegen der Attacke gegen Pätzold auch deshalb selbst angegriffen, weil der stärker nach vorn orientierte. IN LETZTER KONSEQUENZ (!!!) interessiert es mich einen Scheißdreck, wie viel Vorwürfe gegen irgendeinen toten Josef Wissarionowitsch richtig oder falsch sind. Da interessiert mich nur, wie so schnell wie möglich die Grundlagen einer in Zukunft kommunistisch funktionierenden Gesellschaft errichtet werden können. Und eine von vielen Wurzeln dieser Möglichkeit ist, dass eine wachsende Zahl von Menschen dies will bzw. sich dieser Aussicht gegenüber offen zeigt. Dabei hat jeder sein Feld. Ich bin eher Phantast, Literat eben. Werner Großmann und Co haben eine schwierige Aufgabe: Wenn überall das Reizwort „Stasi“ zu Pawlowschen Reflexen aufgebaut wurde, gilt es eben festzuhalten: Es ist manches eben nicht sauber. Es ist manchmal wirklich eklig. Aber es ist zum einen nicht SO eklig gewesen (und zwar zu KEINER Zeit), wie es in der Propaganda der heutigen Machthaber und ihrer Schreiberlinge ausgemalt wird, und zum anderen standen vor konkreten Menschen Verantwortungen, sie vor größeren realen Schäden zu bewahren. Das klingt eben anders als zu behaupten, wir hatten die reine Weste. Und ich kann mir eben nicht vorstellen, dass die, die ihre Arbeit zur Verteidigung der sozialistischen Ordnung (bzw. dessen, was sie dafür hielten) aus Überzeugung getan haben, eine Überzeugung, die sie nicht im Klima der Kapital-Gestapo-Zuträger aufgegeben haben, auch nur einen zu Unrecht Schikanierten als zertretenes Blümchen am Rande des Weges bezeichnet hätten.
Mist! Schon wieder bin ich am Moralisieren.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Bei Hans Heinz Holz entschuldigen? (1)

Erst einmal vorweg: Ich wage mir ja gar nicht, den eigenen Artikel noch einmal zu lesen – aus Angst, dann könnte ich zu denselben Schlüssen kommen wie meine beiden Kritiker, vor allem aber Sepp Aigner. Wahrscheinlich bin ich einem grundsätzlichen musikalischen Prinzip zum Opfer gefallen: Der Ton macht die Musik. Nein, wenn das so rausgekommen sein sollte, dass das einzige „Argument“ gegen einen brillanten Philosophen sein Alter sein sollte, dann hätte ich Mist gebaut. Das habe ich nur herangezogen nach dem Motto, dass eben dieses Alter kein Freibrief für meines Erachtens überzogene Urteile ist … weniger zumindest als jugendlicher Überschwang.
Ich weiß natürlich nicht, wie intensiv Sepp den von mir beanstandeten Artikel gelesen hat. Mit tat er einfach weh. Auch wenn ich Sepps Vorwurf, ein Moralisierer zu sein, damit wohl verfestige: Ich erwarte von einem, der einen Fehler gemacht hat, dass er sich zumindest ENTSCHULDIGT bei denen, die er zu Unrecht in die Haufen der Feinde gestopft und sie so behandelt hat.
Wer Revolutionen macht, muss handeln. Wer handelt, macht auch Fehler (so wie es der größte Fehler unter vielen sein kann, nicht gehandelt zu haben). Hätte ich das so bei HHH gelesen, so hätte ich mich gefreut. Er jedoch wirft Professor Pätzold genau dies als Opportunismus vor.
Ich sehe ja ein, wie schwierig es ist, eigene Fehler zu offenbaren, wenn man von den Ideologen des Kapitals zum Inbegriff aller Fehler erklärt wird. Daraus den Schluss zu ziehen, alles richtig gemacht zu haben, oder – wie man leider den Holz-Artikel eben lesen kann – zu behaupten, vor dem XX. Parteitag der KPdSU sei alles im Prinzip richtig und von da an falsch gemacht worden, halte ich nicht für den richtigen Ton. Da maße ich mir an, es für eine Form des Altersstarrsinns abzuweisen. (Ich bin ein Mensch voller Fehler.)

Mittwoch, 2. Februar 2011

Hans Heinz, mir graut´s vor dir!

Überschrieben ist der gesamte Beitrag mit „Dialektik der Vernunft“, garniert überall mit vielen Hegel-Zitaten. Ich kannte ihn ja, jenen Hans Heinz Holz, auch schon früher als selbsternannten Hegelnachfolger, dem Marx leider nicht ganz gerecht geworden wäre.
Dieser Beitrag aber ist einfach … zu hart.
Man könnte die formale Logik ja so weit treiben, dass Holz hier Stalin als Heroen bezeichnet oder dem armen Hegel gar eine solche Wertung in den Mund legte.
Nun gut, er schmeißt alle Moralität in den historischen Mülleimer. Aber muss er so geschmacklos sein, Hunderttausende aufrechte Kommunisten, weil sie an einzelnen Schritten des Generalissimus offen zweifelten, Opfer wurden ihrer eigenen Überzeugung vor einem Selbstherrscher, als „...manche unschuldige Blume zertreten … auf ihrem Wege“ zu beleidigen?
Sollte der alte Mann meinen, er läge auf Lenins Linie, dann möge er daran denken, dass jener durchaus einen friedlichen Verlauf der russischen Revolution angestrebt hatte – noch 1917. Insofern gerät der Russische Revolutionsführer zum Schluss noch in eine Opportunistenecke zusammen mit Gesine Loetzsch. Natürlich ist sie „Sozialdemokratin“. Die Frage, ob sie NICHT auch wie Lenin Revolutionärin werden würde, wenn es die Klassenkampfsituation geböte (leider tut sie das nicht, jene aktuelle Klassenkampfsituation in Mitteleuropa), könnte nur in eine solchen Situation entschieden werden.
Irgendwie sehe ich mich als unnützer moralisierender Kleinbürger bereits von H-H-Holz-Köpfen erschossen.
Der Artikel stinkt einfach nach Verabsolutierung des Terrors. Solange der Große Führer sagte, der Sozialismus bin ich, war (weil er wirklich nicht der Imperialismus WAR) alles was er tat, sozialistisch richtig und alles Andere nicht?!
Und ab dem XX. Parteitag war alles Essig? Ach wenn Stalin noch lebte, … dann gäbe es zwar keine moralischen Kommunisten mehr, aber wir hätten unser klassenkämpferisch-terroristisches System noch, also seines …? (Okay, Gorbatschow hätte dann auch eine Kalaschnikow rechtzeitig seiner Schädlichkeit beraubt.)
Natürlich hat Holz Recht mit dem Begriff eines „In sich widersprüchlichen Fortschritts“. Natürlich hat er Recht, dass die Revolution gerade Recht und Moral umkrempeln. Natürlich hat er Recht, dass (nur) Moralisieren nicht die Welt verändert. Aber ich bin dann schon der Meinung, dass Napoleon Interventions- und Eroberungskriege geführt hat, zumindest nach Überschreiten des Rheins gen Osten und damit der negative Aspekt seines Fortschritts damit bereits überwog – also der positive Terror dieser bürgerlichen Revolution nicht erst mit Waterloo endete.
Worauf Holz überhaupt nicht eingehen möchte ist, dass eben jener Stalin NICHT den Fortschritt als Heroe verkörperte, viel Schreckliches und der weiteren Entwicklung unserer gesellschaftlichen Bewegungsmöglichkeiten Abträgliches getan hat, aber eben auch viel zum Systemüberleben Notwendiges. Dass der Begriff „Stalinismus“, wenn man ihn nicht nur als Keule gegen „Kommunismus“ oder Vergleichbares einsetzt, eben die kreativen inneren Widersprüche aktivierenden Kräfte zugunsten eine Person abtötende Verhältnisse bezeichnet. Nicht politische Macht eine Klasse, sondern Verengung dieser Klasse auf eine Person und ihr militärisch-hierarchisch untergebene Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. War das ALLEIN Folge der komplizierten Klassenkampflage? Wo gehobelt wird fallen Späne und wer nicht rechtzeitig merkt, dass allein richtig sein kann, was der Generalissimus richtig findet, wird zum fallenden Span … Also die kommende Gesellschaft muss bereits in der Revolution BEGINNEN, eine eigene Moralität zu leben.
In seiner schamlosen Verherrlichung revolutionärer Unmoral entwickelt sich sich der alte Holz zu einer Gefahr für die notwendige Attraktivität der Gesellschaft, die wir unbedingt brauchen. Selbst, wenn der Vorwurf der Ahistorizität an den Geschichtsprofessor Pätzold richtig wäre, würde ich den vorziehen. Lieber ein Stück Stalin zu viel entsorgen und erreichen, dass sich die Massen für den Sozialismus / Kommunismus entscheiden, die keinen stahlmantelgeschossgehärteten Hegel aus der Zitatenkiste holen können, als ohne oder gar gegen die in der Barbarei kapitalistischer (Um-)Weltvernichtung zu krepieren.
Schützt sozialistisches Zeitungspapier vor Kindstötern. (Auch das ist „Dialektik“: Dadurch die Revolution verhindern, dass man ihre Gewaltaspekte in Momenten verherrlicht, in denen erst die Keime einer in ihrer Form völlig offenen neuen Revolution heranreifen sollen.)