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Donnerstag, 1. September 2011

Von Erd- und Baumäpfeln (4)


Im Sinne der Marxschen Werttheorie sind alle geistigen menschlichen Aufwendungen, die der Schöpfung des Produkts notwendig vorausgingen, nie in einen Wert eingegangen. Der erste Preis für eine gehandelte Kartoffel beruhte nur auf dem Wert aus unmittelbar notwendiger Arbeit und Grundrente für Natur gegebene Voraussetzungen. Genauso gibt es im Kommunismus keine Veranlassung für all die mehr oder weniger selbstverständlichen geistigen Errungenschaften der Menschheit Preise bestimmen zu wollen. Sie sind einfach da – wie das Wissen um die Kartoffeln. (Das Perverse der Gegenwart ist höchstens, dass Genforschung über das Lizenzrecht solche Preise „nachträglich“ erfindet und verlangt)
Ich musste auf diesen Gedanken extra hinweisen, weil ich zuvor behauptet habe, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen solchen „Äpfeln“ und beispielsweise Musik als Mittel zur Bedürfnisbefriedigung gebe: Einmal produzierte „Musik“ kann mit teilweise zu vernachlässigendem Mehraufwand fast unendlich viele Bedürfnisse befriedigen, jeder einzelne Apfel muss extra geerntet und kann nur einmal gegessen werden.


Mittwoch, 31. August 2011

Von Erd- und Baumäpfeln (3)


Woher aber sollten erste Menschen wissen, wann die Knollen essbar würden? Selbst die Erfahrung, dass es nicht um die Wurzel als solche ging, musste erst „erlernt“ werden. Waren alle diese prinzipiellen Mauern übersprungen – was eben eine ungeheure Menschheitsleistung gewesen ist – stand das Wissen im Prinzip jedem zur Verfügung. Im Prinzip deshalb, weil eine Kommunikation über den eigenen Gruppenrahmen hinaus kaum gegeben war. Allerdings wäre sicher niemand auf die Idee gekommen, das Wissen darum, unter welchen Bedingungen Kartoffelpflanzen die wunderbaren Erdäpfel als Nahrung hergeben, als „Ware“ aufzufassen. Von dem Moment an, wo die Lösung des Problems einmal gefunden war, war die eben da. Nun war es das Problem der einzelnen Nutzer, es zu praktizieren. Schließlich dürften noch vor etwa 300 Jahren die wenigsten „Köche“ eine Uhr gehabt haben. Es musste also jeder sein Gefühl entwickeln beim anstechen.
Auf dieser Ebene ist Kommunismus und Urgesellschaft wirklich ähnlich: Einmal gefundene Nutzungsverfahren stehen der Allgemeinheit sofort vorbehaltlos zur Verfügung. Anders ist nur, dass weltweit und auf ewig jeder Entdecker den Anspruch auf die Ehre des Ersten verewigen kann (z. B. durch die Namensvergabe) und dass die Verfügung wirklich weltweit allgemein und sofort gewährleistet werden kann und in einer Form, in der die eventuellen Fehler fortlaufend beseitigt werden können.

Dienstag, 30. August 2011

Von Erd- und Baumäpfeln (2)

Und von Generation zu Generation wurden Erfahrungen weitergegeben. Wie groß würden die Früchte noch, wenn man sie wachsen ließ, und dass die Reife mit veränderter Farbe sichtbar wurde – und dann waren sie eben nicht mehr sauer, sondern wohlschmeckend. Viel späte kamen dann die Erfahrungen dazu, wodurch der Ertrag der Bäume erhöht werden konnte und sogar Veränderungen des Geschmacks. Aber die Grunderkenntnisse lieferte die Natur selbst.
Anders sah dies bei den Erdäpfeln aus. Ihre Nutzung erforderte Massen an Know-how. Warum hätten die Urmenschen Pflanzen ausbuddeln sollen? Das Reifestadium der Frucht war nicht offensichtlich. Bereits das Wissen, „Das ist eine Erdapfelpflanze“ musste irgendwann gewonnen und dann ständig weitergegeben werden. Logisch erscheint mir sogar, dass es mehrfach verloren ging – zumindest in praktischem Sinn. Denn man vergleiche: Die Äpfel an den Bäumen sieht man immer. Rüben sieht man bedingt auch. Und persönliche Erfahrung sagt, dass man diese Wurzeln in jedem Entwicklungsstadium aus dem Boden holen und essen kann. Eine junge Mohrrübe schmeckt sogar besser als eine ausgereifte. Die zufällige Entdeckung der Kartoffelknolle führte aber wahrscheinlich erst einmal zu kleinen Katastrophen. Sowohl der Verzehr roher Kartoffeln als auch der „Genuss“ grüner führte zu „Verdauungsbeeinträchtigungen“. Und die Aufbereitung unter Feuer? Bei Fleisch verhält es sich ähnlich wie bei den Äpfeln. Prinzipiell kann man es roh essen. Seine Veränderung bei unterschiedlich langer Hitzeeinwirkung kann man laufend vergleichen. Erst, wenn es verbrannt ist, verliert es seine Genießbarkeit.  

Montag, 29. August 2011

Von Erd- und Baumäpfeln (1)


Sicher sind Zeitreisen bevorzugt Angelegenheiten für Science-Fiktion-Autoren. Aber sollte nicht jeder gelegentlich gedanklich durchspielen, welche Probleme unsere Urahnen gelöst haben, die heute keine mehr sind, um leichter zu erahnen, dass unsere Nachfahren, sollte sie es denn noch geben, auf ganz anderer Ebene wie wir denken könnten?
Wir haben heute bestimmte Vorstellungen, wie Wirtschaft funktioniert, funktionieren muss. Selbst Marx – und in dem Sinn, dass er ja den wissenschaftlichen KOMMUNISMUS begründen wollte, werfe ich ihm das vor – entwickelte die Logik seines Systems aus dem Existieren von Waren heraus. Wie aber will man sich mit einer „außerirdischen“ Welt beschäftigen, wenn man die „innerirdische“ zu Grunde legt?
Mich fasziniert beispielsweise die ungeheure „Software“-Leistung, die in der „Erfindung“ der Speisekartoffel, also der Erdäpfel steckt. Da meine ich nicht ihre Einführung in Europa, die tollen Storys um Friedrich den Zweiten. Der Verbreitete ja nur bereits bekanntes Wissen. Nein. Man stelle sich Folgendes vor:
Apfelbäume und Kartoffelpflanzen gab es schon vor und unabhängig von der Einwirkung des Menschen. Die „Erforschung“ der Äpfel halte ich für eine „normale“ Evolution. Ein Fortschritt mit vielen Schwenks nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Die Früchte waren immer sichtbar. Der Hunger als antrieb war oft genug vorhanden, um häufig auszuprobieren, ob das Verschlingen der Früchte gegen den Hunger hilfreich sein konnte.