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Donnerstag, 17. Februar 2011

Kampf den Wölfen! (3)

Was bedeutet das für die Harald Wolfs der Gegenwart:
Sobald sie zum Kettenglied des Systems geworden sind, betrachten sie ihren Zuständigkeitsbereich nach seiner Verwertungslogik. Ein Gut für die Allgemeinheit zugängig zu halten schmälert den unmittelbaren wirtschaftlichen Verwertungseffekt. Nach einer Privatisierung sieht man mehr Geld in der Kasse und wenn auch nur einmal. Im Horizont der eigenen beschränkten Zeit „rechnet sich das“. Die Befriedigung notwendiger Bedürfnisse spielt dabei nur insofern eine Rolle, als dass es Voraussetzung ist, dass ein Gut zur Ware werden, also bezahlt werden kann. Die Wölfe denken wie Kapitalisten, nicht wie Menschen.
Ich erlaube es mir, als Aufgabe linker Politik über die Logik der kommunalen Kassen hinaus „sozialistisch“ zu denken. Also die Frage für die entscheidende zu halten, ob „die Menschen“ bekommen, was sie brauchen?
Das muss sich nicht einmal widersprechen: Da der Zweck jedes Kapitals seine Vermehrung als Einzelkapital ist, also kurzfristig auch dadurch profitabel wird, wenn es sich vermehrt, ohne einen Gebrauchswert real zu befriedigen, also nur dadurch, dass bezahlt wird, ist offen, ob eine kapitalisierte Bewirtschaftung von öffentlichen Gütern wirtschaftlicher ist. Das heißt praktisch, dass ein privates Unternehmen, das Gewalt über die öffentliche Wasserversorgung besitzt, seinen Profit zwar durch die Wasserversorgung erzielen KANN, er aber höher ist, wenn den wehrlosen Kunden die Preise hochgedreht werden und die Instandhaltung des Netzes nicht erfolgt. Aktuelle Beispiele im öffentlichen Bahnverkehr oder eben auch in der Wasserversorgung stärken berechtigte Zweifel an der primitiven Zweckmäßigkeit der Privatisierung öffentlicher Daseinsvorsorge … Und da treibt sie ausgerechnet die „Linke“ voran?!.
Die reale Gefährdung „normalen Lebens“ durch Kapitalisierung des Gesundheitswesens ist nur deshalb bisher noch kein Grund zur Revolution, weil jeder Kranke sich in dieser Situation als Individuum empfindet – und zwar als ein gerade besonders hilfloses / hilfebedürftiges. Den normalen Menschen schreckt eher die „schicksalhafte“ Bedrohung, krank zu werden, als dass er erwägt, dass es ihm dann mit kubanischer Logik wohl besser ginge, seine „Verwertbarkeit“ dann keine Rolle spielte. (Schade eigentlich).

Es ist eine Wolfs“logik“, dass neue Geier (Kapitalien) dorthin geflogen kommen, wo sie die größten Verwertungsbeute erwarten. Wer dieser Logik folgt, scheut keine Arbeitsbedingungen, wie sie in Ländern mit ekligster Rückständigkeit existieren, im „zivilisierten“ Mitteleuropa (wieder) einzuführen … weil dies Arbeitsplätze „schafft“. In einer Partei des Sozialismus, eines „demokratischen“ sogar, hat so ein Denken keinen Platz.
Die Welt ist u.a. deshalb schlecht, weil weltweit die Anstrengungen nicht ausreichten, sie zu bessern. Dieses Bessern muss jeder für sich versuchen – UND in Kooperation und Solidarität mit aller Welt.
Revolutionen gelingen nur unter bestimmten Bedingungen. Die Logik des alten Regimes kann man aber immer durchbrechen

Mittwoch, 16. Februar 2011

Kampf den Wölfen! (2)

Ich habe damit nicht gesagt, dass in den realsozialistischen Staaten nach dieser Logik gehandelt wurde – im Wesentlichen gar nicht, soweit es staatliche Stellen betraf -, sondern dass jeder Schritt, der nicht dieser Logik entsprach, das System dem real existierenden Kapitalismus gegenüber schwächte. Verhielten sich also die Bürger der Logik ihres eigenen Systems entsprechend (also 2. oder 1.), griffen sie sozusagen der Entwicklung vor und beraubten es gleichzeitig seiner erforderlichen wirtschaftlichen Kampfkraft. (Hätten in einem kapitalistischen Unternehmen die Mitarbeiter so viel miteinander … „privat“ … kommuniziert, währen sie ausgetauscht worden, sodass das Einzelunternehmen eben mehr produzierte.)

Nun gibt es aber auch sozusagen auf niederer Ebene Logiken innerhalb des kapitalistischen Systems. Sagen wir als Beispiel:
Ein Mediziner ist dazu da, das (auf die Gesundheit bezogene) Wohlbefinden seiner (potentiellen) Patienten zu erhalten oder wieder herzustellen.
Dies gibt es überall (wenn auch immer weniger). Es ist aber für das kapitalistische System als Ganzes ein Fremdkörper. Die Systemlogik lautete:
Alles, was einen Gebrauchswert für Menschen hat – und Gesundheit hat sogar einen besonders hohen Gebrauchswert – ist eine Ware, die zu verteilen der Besitzwechsel von Geld löst. Der Arzt ist Kaufmann in Sachen Gesundheit. Die Stärksten (Kapitalkräftigsten) sind als potentielle Sieger für ihr Überleben gesund zu halten. Der Rest bekommt so viel Gesundheit, wie für seine Verwertung erforderlich ist.
Mindestens diese beiden Logiken stehen dabei nebeneinander.

Dienstag, 15. Februar 2011

Kampf den Wölfen! (1)

Das Problem: In der menschlichen Gesellschaft gibt es mehrere „Logiken“. Also je nachdem, was für einen denkend Handelnden das letztlich Wichtigste ist, wird zuvor eine ganze Kette von Handlungen logisch oder z. B. grausam.
Dabei ist das nicht immer leicht zu entscheiden, da ja alle die, die es eigentlich nicht gut mit der Masse der Menschen meinen, dies nicht offen sagen (dürfen). Die sagen dann eben „Die Menschen zuerst“ und meinen „Das Geld zuerst“ (wobei „Geld“ hier als „Kapital“ verstanden wird, also welches, das sich - über fremde Arbeit vermittelt - zu mehr Geld entfaltet.)
Legen wir für einen Moment all die offenen Freiherren und unchristlichen FDPler zur Seite. Wie ist das dann für „Linke“?
  1. Vollkommene kommunistische Logik: Das Entscheidende ist, dass sich alle Menschen frei entfalten können. Dazu sollen sie sich wohl fühlen. Tätigkeiten für die Allgemeinheit – eben AUCH das, was wir heute Arbeit nennen – sind ein Mittel, wie der Einzelne dadurch wohl fühlen kann, dass er sich als (besonders) nützliches Mitglied der Gemeinschaft empfinden kann. Auch das Produkt des Arbeitsprozesses ist nur ein Mittel dazu. Es kann also für den Augenblick wichtiger sein, dem Kollegen bei der Lösung eines („privaten“!) Problems zu helfen.
  2. Entfaltete sozialistische Logik: Im Prinzip wie die kommunistische, nur mit der Einschränkung, dass die Menge und die Qualität der wirklich hergestellten Erzeugnisse noch größer sein muss, da eine Versorgungsniveau des relativen Überschusses weltweit erst angestrebt wird.
  3. Logik des Kapitalismus und des in der unmittelbaren Konkurrenz zum organisierten Kapitalismus stehenden Vorsozialismus: Die entscheidende Frage heißt unmittelbare Wirtschaftlichkeit. Es gilt, maximale Produktivität zu sichern, um für den jeweils unter eigener Kontrolle stehenden Machtbereich die besten Konkurrenzpositionen auf einem universellen Markt zu erreichen. Für die jeweiligen Sieger im Konkurrenzkampf ist die Möglichkeit gegeben, über Klassengrenzen hinweg Teile der nicht besitzenden Arbeitenden in die Beutegewinnergruppe einzubeziehen, soweit dies das eigene System festigt bzw. festigen muss. Belange von Umwelt und Mitmenschen zählen nur, soweit sie sich als Verkaufsargument verwerten lassen.

Freitag, 24. Dezember 2010

Von der Logik in unserer beschränkten Vorstellungskraft und dem Maulwurf Sarrazin ... (2)

Wir sind gewohnt, die bekannten Denkschemata auf die neuen Verhältnisse zu übertragen. Solange eine geldfreie neben der dominierten Geld-, also Warenwirtschaft bestehen muss, funktioniert dieses Denken.
Aber auch das nur bedingt: Bedarf es der Praxisgebühr, damit wir nicht häufiger zum Arzt gehen als es für unser Wohlergehen erforderlich? Entstehen bestimmte Denkmuster nicht erst dadurch, dass es Mehrklassen-Medizin gibt? Wären wir nicht ohne unaufgefordert vernünftiger? (Eingebildete Krankheiten sind selbst Krankheitssymptome und sollten ausgeklammert bleiben.)
Unsere Phantasie hat vor Augen, dass künstlich verbilligte Schrippen als Viehfutter dienen, wenn das richtige Viehfutter teurer ist. Es geht aber um das Gesamtsystem. entzieht sich Die Möglichkeit, etwas grundsätzlich anders Funktionierendes zu denken, entzieht sich unserer Vorstellung.
Wir brauchen vielleicht ein dialektische Zwischenstufe: Das totale Angekotzsein davon, dass sich alles nur um das Scheiss-Geld dreht. Was wäre, wenn nicht …
Können wir das? Eigentlich lässt die logische Vernunft das zu. …
Wenn wir so viel Mut zum Über-unseren-Horizont-Hinaus-Denken aufbrächten, sozusagen die Schönheit eines Ausblicks von einem bestiegenen Berg NICHT aus dem „Blickwinkel“ eines Maulwurfs der Sarrazin-Art zu entdecken, dann hätten wir unsere heimliche private Revolution geschafft …


Ich bin das Gen vom Sarrazin …
 
Ich bin das Gen vom Sarrazin,
ich singe jeden Tag,
Zwar klingt das eigentlich nicht schön,
doch zeigt´s, dass ich mich mag.
Ich sage Deutschland, meine mich,
ich bin wer in der Welt:
Weil ich der Allergrößte bin,
verdien´ ich so viel Geld.
 
Ihr blöden Trottel lauft mir nach -
wer will nicht Sieger sein.
Doch taugt ihr mir zum Kaufen nur
und Klatschen ganz allein.
Drum klatscht, drum klatscht, drum klatscht für mich,
drum klatscht für mich allein.
Ihr macht mir meine Börse fett
So soll es ja auch sein.

...So soll es eben nicht sein ...

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Von der Logik in unserer beschränkten Vorstellungskraft und dem Maulwurf Sarrazin ... (1)

Scheinbar schließen sich Logik und Vorstellungskraft, also Phantasie, schon vom Begriff her aus. Praktisch ist das aber nicht ganz so einfach. Unsere Phantasie beginnt ja nicht bei null. Sie ist wie ein guter Lehrer. Sie weiß, dass wir auf dem vorhandenen Wissen anknüpfend uns das noch nicht Wissen zusammenspinnen. Je weniger der Mensch weiß, umso irrer wird die Phantasie, da sie nur z. B. an vage Ängste vor unerklärliche Bedrohungen anknüpfen kann.
Aber auch wenn die Zusammenhänge mitunter extrem komplex sind und gerade deshalb unerklärlich und unlogisch erscheinen, gibt es mitunter einfache Erklärungen.
Nehmen wir das Beispiel, sich vorzustellen, wie die Welt funktionieren würde, gäbe es kein Geld (mehr).
Lassen wir alles Bewusste weg, das, was wir für vernünftig halten. Es bleibt eine klare, hunderttausendfach gemachte Erfahrung: In der Welt, in der wir aufgewachsen sind, war und ist Geld das „allgemeine Äquivalent“. Mit Geld wird alles vergleichbar. Was viel Geld kostet, ist viel wert. Dinge, die nichts kosten, sind nichts wert. Natürlich gibt es Unterschiede durch die Sozialisation im versuchten Sozialismus. Wir können diese aber vernachlässigen, weil vom Prinzip das Wertgesetz galt und viele unserer Versuche, dies zu leugnen oder zu umgehen im Zusammenhang der Weltwirtschaft extrem kontraproduktiv gewirkt haben.
Die verinnerlichte Beziehung, billig gleich wenig wert, hat uns geprägt. Wir schließen aus der Erwartung, dass wenn es kein Geld mehr gäbe, nichts mehr einen Wert hätte. Im strengen Marxschen Definitionssinn ist das sogar richtig. Mit dem Geld verschwänden natürlich alle anderen Kategorien und Begriffe der Warenwirtschaft.
Aber Sinn und Zweck jeden Handelns in einer solchen Gesellschaft ist ja auf den Erwerb höchstmöglicher Äquivalente gerichtet, sowohl, um so viel wie möglich ausgeben zu können, als auch, um dadurch messbare gesellschaftliche Anerkennung und Macht zu gewinnen. Wenn kein Geld, dann nicht gesellschaftliche Macht und Anerkennung, dann … Faulheit …?!