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Sonntag, 24. März 2013

Denken wir zu langsam?



Eine besondere Leistung des menschlichen Gehirns ist eine permanente unterbewusste Abstraktion. Gelegentlich stößt die Psychologie auf dieses Problem auf dieses Problem, wenn sie Wahrnehmungsfehler zu erklären versucht. Also experimentell kann man belegen, dass sich mitunter unsere Augen „täuschen“, dass sie etwas zu sehen scheinen, was so nicht zu sehen ist.
Diese „Fehler“ sind Überreste gewaltiger Leistungen der Evolution: Das, was unsere Augen in Bruchteilen von Sekunden zu einem dreidimensional erscheinenden Gesamtbild verarbeiten, ist umgerechnet eine phänomenale Computerleistung. Sie hängt mit Gehirnfunktionen zusammen, die zur Zeit Computer noch nicht gleichwertig ausführen können: Alle Wahrnehmungen werden einer „Vorkontrolle“ unterzogen, ob das, was wir sehen, hören … „denken“, „sinnvoll“ erscheint. Notfalls wird „Wahrscheinliches“ aus den „Speicher“ in den Gesamteindruck eingefügt. In letzter Instanz ist dieser Mechanismus Grundlage von Intelligenz und Kreativität. Ein Elektronenhirn arbeitete im einzelnen schneller nach einem vorgegebenen Algorithmus die vorhandenen Möglichkeiten ab, das menschliche Denken schließt schneller als unmöglich angenommene „Möglichkeiten“ aus.
Dieses Evolutionsprodukt hat natürlich neben allen begeisterungswürdigen Leistungssprüngen auch Schattenseiten: Das menschliche Denken ist gerade dadurch eher geneigt, prinzipiell Neues in ein Erfahrungssystem einzubauen. Das kennt man inzwischen auch aus Computern: Diese sind inzwischen so weit, dass wenn man nach etwas sucht, nach den ersten Buchstaben ergänzt wird, was früher einmal gesucht worden war.
Somit ist in einem Zug diese Fähigkeit Voraussetzung für das Erkennen von Zusammenhängen … zum anderen aber Beschränkung beim Erkennen von Neuem: Man baut eben etwas in ein bekannt erscheinendes System ein und erklärt alles zu Bekanntem. Da dies auch auf verbaler Abstraktionsebenen funktioniert, lässt sich eben eine „Erfahrung“ durch ausreichende Wiederholung produzieren: DDR = Stasi, DDR = Kommunismus. Dies voraussetzend wäre Stasi = Kommunismus sogar richtig logisch abgeleitet. Zumindest bei einigen Menschen funktioniert eine solche „Gehirnwäsche“ immer.
Es gibt aber berechtigte Befürchtungen, dass dieses evolutionäre Produkt auch potentielle Revolutionäre behindert: Da beobachten welche, dass in den politischen Organisationen, die für den grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel unumgänglich sind, sich opportunistisches Denekn durchgesetzt hat, sie also für eine notwendige Revolution nicht mehr geeignet sind. Nun ist eine solche Analyse immer fragwürdig, weil diese Prozesse in „Führung“ und „Mitgliedschaft“ nicht identisch ablaufen – und sei es wegen der unterschiedlich tiefen Integration ins vorhandene System. Es kann auch sein, dass das individuell rührige Handeln Einzelner den Eindruck erweckt, deren Haltung sei die der Organisation selbst. Daraus ergäbe sich also die Notwendigkeit einer Neuorganisation zur Sammlung der revolutionären Subjekte. Was aber, wenn sich dieser Prozess ganz oder teilweise umkehrt? Dann „sammeln sich die einen draußen neu mit ihren Illusionen, die zweiten sammeln sich in der einen Partei mit ihren Illusionen erneut und die dritten in einer dritten usw. Objektiv betreiben ALLE DREI ohne dies zu wollen (natürlich gibt es auch vorsätzliche Spalter) die Spaltung einer sowieso schon zu schwachen Bewegung.
Sollte nicht die Frage gestellt werden, ob es möglich sein könnte, die vorhandene DKP „unter“ einem Köbele – und nicht Meyer – zu einer modernen Kommunisten-Jugendpartei zu erneuern anstatt eine neue „vereinigende“ Kommunistenpartei zu gründen, die nur einigen individuellen Bewegungsdrang befriedigt?
Ich befürchte, dass die Gründung der neuen wahren Kommunisten nicht als Show-Auftritt zur Vorbereitung einer Wiedervereinigung gedacht ist. Zumindest kurzfristig wäre dies technisch nicht umzusetzen. Allerdings stellt sich bei so etwas auch die Frage, wer freiwillig so viel Kommunist wäre, um im Interesse einer starken Führung selbst in die zweite Reihe zurückzutreten ...

Montag, 21. Januar 2013

... hat immer Recht ...?! Vom Ton und der Musik ...


Kommunisten stehen vor einem paradox erscheinenden Problem: Ihr gesellschaftliches Kern-/Endziel, also der "Kommunismus" als entfaltete "Gesellschaftsordnung" ist etwas, dessen Vernunft eigentlich vielen Menschen einleuchtet bzw einleuchten kann. Seltsamerweise trifft das auch auf erziehungsbedingte Antikommunisten zu, sofern sie sich auf eine sachliche Diskussion einlassen. Zumindest den Schwenk vom "Das kann gar nicht gehen" zu "Also ich würde auch ...". Bei jüngeren Disputanten ist es oft eine Begriffsfrage. Nicht selten haben sie selbst kommunistische Einzelauffassungen - würden sich aber mit Händen und Füßen dagegen wehren, in diesen Topf geseckt zu werden.
Leider ist dieser entfaltete Kommunismus nichts sofort "Einführbares". 
Der nächstliegende Grund ist, dass die kleine Zahl an Menschen, deren aggressive Selbstentfaltung tatsächlich unter kommunistischen Verhältnissen zu leiden hätte - die Möglichkeit der "Kapitalisten" ihre Über-Macht aus der Ausbeutung anderer Menschen zu ziehen, wäre technisch unmöglich, sobald es kein "Kapital" gibt - also diese kleine Zahl an Menschen verfügt über extrem große wirtschaftliche Macht. Die lässt sich in politische Macht, in Manipulationsmittel, aber auch in primitive Gewalt verwandeln. So wunderbar also das langfristige Ziel sein mag, es bedarf Zwischenschritte, die nicht mit diesem Ziel "auf einer Linie" zu sein scheinen. Es bedarf also der Gewalt (wie immer die konkret aussieht), um gewaltlose Verhältnisse zu erreichen, es bedarf der Armeen, um ein Zusammenleben vorzubereiten, bei dem Armeen unbekannt sind, es bedarf der Kommando-Disziplin, um zu etwas zu kommen, das wir heute als "Basisdemokratie" zurecht idealisieren.
Leider ist das nicht nur ein scheinbarer Widerspruch. "Arbeiterklasse", "Partei" usw. sind immer konkret. Für immer begrenzte Zeiträume, aber unser Lebenshorizont ist nun einmal immer begrenzt, sieht man "die Partei" verkörpert durch ihren großen Vorsitzenden usw. und der sieht sich in dieser Rolle, fühlt sich notwendigermaßen berufen.
Aber jeder Mensch macht Fehler, jede ausreichend charismatische Führungspersönlichkeit ist in der Lage, seine individuellen Fehler zu Fehler der "kollektiven Führung" und die zu Fehlern der ganzen Bewegung zu machen.
Allmählich werden die konkreten Kommunisten einer Gegenwart zur Plage. Sie wissen um das Richtige ihres Ziels, möchten etwas tun, ärgern sich, warum ihnen immer noch nicht genügend anständige Menschen folgen ... und greifen zu Mitteln, die sie verstehen. Diese Mittel beginnen sich zu verselbständigen. Es hagelt Verbote, Ausschlüsse, Strafen für Abweichungen eigen-sinnig denkende Menschen, die logischerweise ihr Recht auf eigene Fehle, die vielleicht eben keine sind, einfordern.
Ich bin oft nicht mit dem Ton eines ... einverstanden. Ich kann mir zu viele Menschen vorstellen, die sich zurückgestoßen fühlen, wenn er ihnen sagen will, dass das, was er denkt, das Richtige ist. Andererseits versucht er Kommunisten zusammenzuführen. So kreativ müssen Kommunisten werden, dass sie unter einem gemeinsamen Dach auch das Motto einer Konferenz als falsch formuliert entlarven. Was aber passiert? Ein großer Vorsitzender verbietet. Was soll ein Außenstehender da ableiten, wenn derselbe wirklich etwas zu sagen hätte? Wehe denen, die dann über uns kommen ...
Als nach dem Ende des ersten Weltkriegs Kommunisten zusammenkamen, um etwas Notwendiges zu spät zu tun, haben sie einen organisatorischen Schwachpunkt der Fortschrittsbewegung zu korrigieren versucht. Der Doppelmord an Luxemburg und Liebknecht beweist indirekt, dass sie daauf die richtige Bahn wollten. Lernen wir aus "unseren" Fehlern der Vergangenheit ...

Samstag, 26. November 2011

Sind Kommunisten bessere Menschen?

Zu DDR-Zeiten gehörte ich zu denen, die zwei Parolen miteinander zu einer "logischen Aussage verknüpften: "Wo ein Genosse ist, ist die Partei" und "Die Partei hat immer Recht" ergibt eben logisch ""Wo ein Genosse ist, hat er immer Recht".
Leider ist das nicht allein ein "Witz" - und heutzutage mehr als zu DDR-Zeiten: Das Bild der Sache wird unterschiedlich stark an dem Bild einzelner Personen festgemacht. Zum einen wird dies im ideologischen Klassenkampf der herrschenden Antikommunisten bewusst gepusht. Da wird der Pawlowsche Reflex gepflegt "Kommunismus = Stalin = Gulak" oder was wohl für ein "Kommunismus" rauskommen mag, wenn Oskar zur Sarah ins Bett steigt. Das hat aber auch eine einfache menschliche Seite: Wer eben einem richtig unangenehmen Menschen in der "getesteten" Partei begegnet, der zieht sich u.U. gleich ganz von dieser Partei zurück. Und es ist ja nicht total unvernünftig: Um nachher gemobbt zu werden, brauchen wir keine sozialistische Revolution zu machen. Mitunter hatte ich bei bestimmten Personen und Erlebnissen den unbewiesenen Verdacht, es mit "U-Booten" zu tun zu haben, mit Menschen gegnerischer Geisteshaltung und Finanzierung also, die eine gemeinsam organisierte progressive Perspektive durch ihr Verhalten torpedieren.
Nun muss dies nicht sein. Es kann auch eine psychologische Besonderheit sein: Sich unter heutigen Bedingungen für eine offiziell unerwünschte Sache zu engagieren erfordert ein überdurchschnittliches Beharrungsvermögen.  Das kann zwei Ausprägungen haben: Eine grundsätzliche Sturheit, sich bei keiner Windrichtung und neuer Erkenntnis von dem abbringen zu lassen, was man einmal als richtig zu erkannt haben glaubt. Politisch "Dogmatiker" genannt. Und als Gegenbild dazu die besonders Kreativen, Unbequemen, quer Denkenden. Mit einem Grinsen als "Künstler" oder "Individualisten" genannt. Auch hier liegt eine höhere Mauer vor, die jeweils nur teilweise überstiegen werden kann. Das Denken weicht in verschiedensten Ebenen vom "gängigen" ab ... was eine größere Menge an Übertreibungen und Fehlern einschließt.
Sprich: Egal, in welche Richtung, sind in Gruppierungen, die nicht im konservativen Mainstream mitschwimmen, also mehr "schwierige" Menschen. Das kann sich in Momenten, in denen sich die Mitglieder der "Arbeiterklasse" als "Klasse für sich" bewusst werden, vorübergehend anders sein. Insgesamt bringt es aber wenig unmittelbare Vorteile, über das Gewünschte hinweg zu denken, ja überhaupt selbständig zu denken. Positiv ausgedrückt: Sich zum "Kommunismus" zu bekennen, erfordert durchschnittlich mehr "Charakter" ... was natürlich Karrieristen vom Schlage eines Lederer nicht ausschließt, sofern das linke Mikroklima groß genug ist.
Was sagt uns das?
Auf der einen Seite sollten wir uns bewusster werden, wie sehr das eigene Verhalten Vorbild- bzw. Abschreckungspotential enthält. Die Genossen aus der Steiermark können da wohl das auffälligste Lied singen.
Auf der anderen Seite sollten wir einander toleranter sehen. Also erst einmal überlegen, wo der eigentliche Gegner steht. Nämlich nicht in der linken Ecke, wo der Nachbar den Hauptfehler hat, dass sein menschlicher Mangel ein anderer als der eigene ist. Das bedeutet praktisch zuerst ein kameradschaftlicher Umgangston.  Nach dem Motto: Fühlt sich ein normaler Mensch wohl, wenn wir so miteinander umgehen, wie wir das gerade tun?
Akzeptieren wir einfach, dass es ein klein wenig schwierig ist, links zu sein, weil man mehr denken muss.
Achten wir auch darauf, dass es noch mehr "wandelnde" Verhältnisse gibt. So förderten die DDR-Machtverhältnisse Schleimspurmechanismen - aus mehreren Gründen. So fördern Verhältnisse im entfalteten Kommunismus einen kameradschaftlichen Individualismus - einfach, weil man sich an keiner "Macht" ausrichten muss, sondern an Gemeinschaften, die kameradschaftlich einfach besser funktionieren.
Im Moment aber sind die Menschen, wie sie eben sind. Wenn wir aber nicht stark genug werden, um real die Verhältnisse zu verändern, dann gehen wir - und zwar alle - früher oder später unter ...

Dienstag, 2. August 2011

Was ist ein "Kommunist"? (3)

Eine Drehtür hat einige Besonderheiten. Sie ist – das stimmt schon – der Weg von drinnen nach draußen. Aber sie ist auch der Weg von draußen nach drinnen und man kann auch von drinnen, wenn man nicht aufpasst, wieder drinnen landen.
Optimistisch wurde diese Phase der menschlichen Entwicklung als Zwischenstufe von der Klassengesellschaft zur klassenlosen Gesellschaft interpretiert. Aber sie ist selbst eine Klassengesellschaft. Die lieben Kommunisten gingen in ihren Schlussfolgerungen dabei von ihrem eigenen Entwicklungsstand aus und übersahen, dass der sich vom Normalmaß immer weiter entfernte – auch vom Normalmaß derer, die Verantwortung beim Aufbau einer neuen Gesellschaft übernommen hatten – aber eben nicht, weil sie Kommunisten waren.
Was ist denn das Kennzeichen aller dieser „Klassengesellschaften“?
Natürlich erst einmal, dass es überhaupt „Klassen“ gibt, also große Menschengruppen, die wegen ihrer Stellung zu den Produktionsmitteln (also besonders inwieweit ihnen wesentliche gehören oder nicht), und in der Art ihrer Tätigkeit (Anteil geistiger oder körperlicher) und dem Umfang des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum objektiv (also von ihrem persönlichen Wollen und ihren persönlichen Eigenschaften unabhängige) gemeinsame Interessen haben. (Primitiv ausgedrückt: Wer wenig hat, wünscht sich logischerweise mehr, wer viel hat, dass es nicht weniger sondern noch mehr wird.) Zur "Klasse" wird eine solche "Interessengruppe" aber erst, wenn die Befriedigung ihrer Hauptinteressen die Befriedigung der Hauptinteressen (mindestens) einer anderen vorhandenen Gruppe entgegensteht.  
Dies trifft auf alle Klassengesellschaften zu. Ihre Unterscheidung liegt in der Art der Verfestigung von Macht. ALLEN gemeinsam ist in letzter Instanz ein Rückgriff auf gesellschaftliche Gewalt. Dazu gibt es ein Heer als Kombination aus stehendem (fest aktiven) und potentiellen (bei Bedarf aktivierbarem) Kriegsbestand. Des weiteren ein Apparat aus eigens dafür angestellten Menschen, die die Art des Zusammenlebens der Menschen regeln und genau so, wie sie ist, als richtig darstellen (Beamte, Justiz usw.). Die Sklavenhalterordnung regelt die Verfestigung der Macht durch offiziellen Ausschluss der Sklaven von der Mensch- / Bürgereigenschaft. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht es dem einzelnen Sklaven ging, war er vom Gesetz her ein Produktionsinstrument (Werkzeug), das Eigentum sein, aber keines haben durfte. Die Feudalordnungen regelten die Verfestigungen der Macht per personengebundener Erbschaft des Statusses. Wer also rechtens Kind eines Königs war, war damit unabhängig von eigenen Fähigkeiten Prinz mit der Möglichkeit, selbst König zu werden. Neuaufnahmen in den Adelsstand waren dem höheren Adel persönlich erlaubt – und dann natürlich wieder erblich. (Im Prinzip hätte jedes Bauernmädchen per Hochzeit Prinzessin werden können …grins) Die Verfestigung der Macht im Kapitalismus liegt in der Verfügungsgewalt über das Kapital selbst - auch dies erblich und somit jede echte „Chancengleichheit“ jedes Neugeborenen ausschließend. Die Einzelfälle, die Übergänge vollziehen, sind zwar wesentlich zahlreicher als in den Vorordnungen. Es geht ja hier aber ums Prinzip. Da sind die Möglichkeiten zur Teilhabe an echter Macht durchaus weiter vorgeprägt. Der Sozialismus wiederum ist eine Ordnung, die solcherart Schranken aufzubrechen hat. Da aber die Mittel der Macht gegeben sind, sind auch die Verführungen zu ihrem Gebrauch zu Verfestigung einer eigenen Position vorhanden. Allerdings ist dies kaum institutionalisierbar, also vom Wesen her verfestigt. Eine Partei hier einzusetzen ist schon insofern albern, als beispielsweise in der DDR etwa jeder siebte Einwohner, alle Babys und Tattergreise eingeschlossen allein Mitglied der SED war. Das dies nichts mit „Kommunist-Sein“ zu tun hatte, versteht sich von selbst.
Der Kommunismus kennt dann an Stelle verfestigter Macht nur auf Qualifikation beruhende Autorität. Das dies funktionale Machtausübung einschließt, sollte sich von selbst verstehen. Eine Kapitänsrolle schließt Situationen mit individuellen Sofortentscheidungen ein. Da kann nicht abgestimmt oder ein Konsens gesucht werden, da muss gehandelt werden. Das ist aber der einzige Überrest militärischer Hierarchien.
Übrigens gibt es im Kommunismus keine Kommunisten mehr, weil das entsprechende Verhalten Allgemeingut geworden sein muss.

Montag, 1. August 2011

Was ist ein "Kommunist"? (2)

Kommunisten sind also diejenigen, die aus dem Studium des Ganges der Geschichte, aus der Untersuchung der tiefen Ursachen und Wirkungen geschichtlicher Prozesse mit wissenschaftlicher Wahrscheinlichkeit den Schluss gezogen haben, dass die weitere Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft in eine Form des Zusammenlebens führen kann und muss, die sie (noch) Kommunismus nennen, für den sie alles in ihren Möglichkeiten Liegende tun.
In diesem Definitionsversuch steckt vielerlei. Das erste ist das Erkennen von Zusammenhängen, das zweite das bewusste Handeln in diesem Sinne. Mit diesen beiden Aspekten ist fast zufällig nebenbei auch die kommunistische Definition von Freiheit und dem kommenden irdischen "Reich der Freiheit" enthalten. Also nicht jeder handelt so, wie er (nicht) denkt und (nur) meint und im Zusammenprall gegensätzlichen Meinens wird sich Vernünftiges schon aus dem allgemeinen Chaos herausschälen. Nein, im Bemühen, vernünftig zu handeln, trägt jeder zur Durchsetzung einer allgemeinen Vernunft bei – wozu natürlich geklärt werden muss, was vernünftiges Handeln bedeutet.
Die ersten, die begründet glaubten, dass ihre Geschichtsbetrachtung wissenschaftlich sei, also Marx und Engels, hatten noch starke Gründe zum Optimismus. Sie leiteten ihre Wissenschaftlichkeit mit Recht aus der Methodik der Untersuchung ab, deren wichtigstes Element der Versuch ist, zu den tiefsten materiellen Wurzeln eines Geschehens vorzudringen. (grins: Das nennt man "radikal" und ist deshalb im entdemokratisierten Deutschland strafverdächtig.) Diese Methodik hat allerdings (mindestens) einen bösen Haken: Zum einen verfeinert die Entwicklung (auch der Gesellschafts-)Wissenschaft die Untersuchungstiefe. Da kann dann erkannt werden, dass das Atom nicht das allerkleinste, unteilbare Teilchen ist, und es Schlussfolgerungen gibt, die nur auf dieser Grundlage richtig gewesen wären (aber auch welche, die trotzdem, wenn auch als Sonderfall, richtig bleiben). Zum zweiten kann die Entwicklung ganz neue Erscheinungen hervorbringen, bei denen erst jetzt untersucht werden kann, ob sie wesentlich sind. Und nicht zuletzt drittens.erreicht jede Wissenschaft eine Punkt, an dem sie ihre „Unschärferelation“ entfaltet, also die Art der Untersuchung notwendig das Ergebnis bestimmt und man eben nur noch Impuls oder Standort zum Zeitpunkt x messen kann, obwohl man beides wissen muss. Insofern ist Wissenschaftlichkeit in Natur- und Gesellschaftswissenschaft durchaus vergleichbar.
Ein Kommunist beharrt nicht auf einem einmal erreichten Erkenntnisniveau, sondern er bemüht sich, immer vom jeweils erreichten neuen Tatsachenstand aus die Möglichkeit und Notwendigkeiten der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung zu analysieren und entsprechend zu handeln. Solange er dabei weiter zum Ergebnis „Kommunismus“ kommt, ist er eben „Kommunist“ … womit also notwendigerweise die Frage steht, was ist denn dann "Kommunismus" und was ist im Gegensatz dazu „Sozialismus“. Das praktische Leben, also die "Natur" hat dabei in der zurückliegenden Zeit die Erfahrungen vermehrt, was alles Kommunismus nicht ist.
 Wir dürfen dabei durchaus Marx fleddern. Der hat den Sozialismus als „ungerecht“ bezeichnet. In unserem Anfangsbild wäre der Sozialismus also alles, was sich in der Drehtür abspielt.

Sonntag, 31. Juli 2011

Was ist ein "Kommunist"? (1)

Man stelle sich ein riesiges Kaufhaus vor. Ein „moderner“ Bahnhof tut´s auch. Der hat nämlich auch einen alles Andere verdrängenden Einkaufsteil. Nehmen wir also an, in unserem riesigen Einkaufstempel laufen Abermillionen Menschen von Shop zu Shop, beständig bombardiert mit Verlockungen, den beschränkten Inhalt ihrer Börse genau für das Angebot der jeweiligen Verkaufstheke einzusetzen. Die Menschen schwitzen, die Menschen atmen den noch vorhandenen Sauerstoff ein und blasen ihr Kohlendioxid aus. Längst ist die Belüftung ausgefallen, aber der Sauerstoffgehalt der Luft sinkt so allmählich, dass es die meisten noch nicht merken – und der Schweißgeruch wird durch den allgegenwärtigen Kunstduft der lockenden Parfümerien überdeckt.
Einige merken schon, was los ist und dass unvermeidlich in unbestimmter, aber absehbarer Zeit das totale Chaos ausbrechen wird. Die wissen um die Ausgänge. In den wirklichen Kauftempeln dieser Welt sind sie zwangsweise nach außen öffnend gebaut, in der gesellschaftlichen Wirklichkeit müsste man sie nach innen öffnen, was halt zusätzliche Probleme bringt, sobald hinten einer drängelt. Es bedarf also besonderer Einfühlung, die notwendigen Schritte zu erklären, weil ja manche nicht die nächstliegenden sind.
Die “Kommunisten“ sind die, die drinnen versuchen, die herum irrenden Massen zu den Ausgängen zu dirigieren, ihnen den Weg zu weisen und zu verhindern, dass es zu keinen Katastrophen kommt. Die Kommunisten wissen, dass "draußen" eine Atmosphäre ist, bei der der Sauerstoff nicht ausgehen kann.
Allerdings … die Kommunisten sind selbst noch nicht „draußen“ gewesen und wissen deshalb die meisten Einzelheiten von dort nicht – und ihnen fehlt die Erfahrung im Umgang mit den Schwingtüren, die der notwendige Weg nach draußen sind (weshalb sich einige verwundert die Augen rieben, als sie wieder "drinnen" landeten, obwohl sie doch kräftig nach draußen gedrückt zu haben glaubten).
Der Einkaufstempel ist längst ein Irrgarten geworden, an den sich die meisten herum Irrenden so sehr gewöhnt haben, dass sie nicht einmal ahnen, dass sie nach draußen wollen (müssen), weil sie längst nicht mehr hören, dass es überhaupt ein Draußen gibt – und obwohl sie die meisten Auslagen nur wie bewegliche Bilder betrachten und das Betrachtete sowieso nicht erwerben können, doch sie fühlen sich frei, das ein oder andere zu erwerben, wenn sie auf Anderes verzichten, und schuldig, wenn sie es nicht schaffen.