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Dienstag, 26. März 2013

Fremdenfeindlichkeit – ein Relikt evolutionärer Vorformen des modernen Menschen




Fremdenfeindlichkeit ist ein Element des Restbestandes tierischer Urinstinkte im Menschen. Es ist eine natürliche Verhaltensweise, beispielsweise Gruppenmitglieder mit stark abweichenden Merkmalen abzulehnen. Dies ist im Kontext der Evolution sinnvoll: Das übliche Aussehen der Artgenossen ist die evolutionär „bestätigte“ Form. Abweichungen machen potentielle Feinde auf die Gruppe aufmerksam.
Sie werden also oft ausgestoßen, bevor sie den echten Feinden aufgefallen sind.
Eine solche Fremdheitsablehnung ist also eine vorvernünftige Verhaltensweise. Vorvernunft ist in der Natur notwendig. Wenn es im Busch raschelt, kann nicht erst eine verstandesmäßige Analyse durchgeführt werden, wodurch das abweichende Rascheln stammen könnte. Es ist Art erhaltend, die u.U. falsche „Abstrakttion“ zu treffen „anschleichender Feind“ und vorsorglich sofort zu flüchten.
Auch der dem menschlichen Handeln gemäße Vernunft gehen schnellere Urinstinkt-Reaktionen voraus. Problematisch werden solche Prozesse erst, wenn sie verbal abstrahiert werden und damit „vernünftig“ erscheinen. Es ist also ein natürlicher Instinkt, sich selbst als Maßstab eines „genetischen Optimums“ zu empfinden. Dieses Vor-Urteil aber zu einer Weltanschauung zu machen, daraus beispielsweise rassistische Auffassungen abzuleiten, zeugt von einer Mischung aus primitiver Verstandesausbildung und relativer geistiger Unterentwicklung.
Merkmal menschlicher Vernunft ist die Fähigkeit zu komplexem Denken in Abstraktionsebenen, die über die Kategorien Freund-Feind, Ich = gut, Rest = böse / fehlentwickelt usw. hinausreicht.

Sonntag, 24. März 2013

Denken wir zu langsam?



Eine besondere Leistung des menschlichen Gehirns ist eine permanente unterbewusste Abstraktion. Gelegentlich stößt die Psychologie auf dieses Problem auf dieses Problem, wenn sie Wahrnehmungsfehler zu erklären versucht. Also experimentell kann man belegen, dass sich mitunter unsere Augen „täuschen“, dass sie etwas zu sehen scheinen, was so nicht zu sehen ist.
Diese „Fehler“ sind Überreste gewaltiger Leistungen der Evolution: Das, was unsere Augen in Bruchteilen von Sekunden zu einem dreidimensional erscheinenden Gesamtbild verarbeiten, ist umgerechnet eine phänomenale Computerleistung. Sie hängt mit Gehirnfunktionen zusammen, die zur Zeit Computer noch nicht gleichwertig ausführen können: Alle Wahrnehmungen werden einer „Vorkontrolle“ unterzogen, ob das, was wir sehen, hören … „denken“, „sinnvoll“ erscheint. Notfalls wird „Wahrscheinliches“ aus den „Speicher“ in den Gesamteindruck eingefügt. In letzter Instanz ist dieser Mechanismus Grundlage von Intelligenz und Kreativität. Ein Elektronenhirn arbeitete im einzelnen schneller nach einem vorgegebenen Algorithmus die vorhandenen Möglichkeiten ab, das menschliche Denken schließt schneller als unmöglich angenommene „Möglichkeiten“ aus.
Dieses Evolutionsprodukt hat natürlich neben allen begeisterungswürdigen Leistungssprüngen auch Schattenseiten: Das menschliche Denken ist gerade dadurch eher geneigt, prinzipiell Neues in ein Erfahrungssystem einzubauen. Das kennt man inzwischen auch aus Computern: Diese sind inzwischen so weit, dass wenn man nach etwas sucht, nach den ersten Buchstaben ergänzt wird, was früher einmal gesucht worden war.
Somit ist in einem Zug diese Fähigkeit Voraussetzung für das Erkennen von Zusammenhängen … zum anderen aber Beschränkung beim Erkennen von Neuem: Man baut eben etwas in ein bekannt erscheinendes System ein und erklärt alles zu Bekanntem. Da dies auch auf verbaler Abstraktionsebenen funktioniert, lässt sich eben eine „Erfahrung“ durch ausreichende Wiederholung produzieren: DDR = Stasi, DDR = Kommunismus. Dies voraussetzend wäre Stasi = Kommunismus sogar richtig logisch abgeleitet. Zumindest bei einigen Menschen funktioniert eine solche „Gehirnwäsche“ immer.
Es gibt aber berechtigte Befürchtungen, dass dieses evolutionäre Produkt auch potentielle Revolutionäre behindert: Da beobachten welche, dass in den politischen Organisationen, die für den grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel unumgänglich sind, sich opportunistisches Denekn durchgesetzt hat, sie also für eine notwendige Revolution nicht mehr geeignet sind. Nun ist eine solche Analyse immer fragwürdig, weil diese Prozesse in „Führung“ und „Mitgliedschaft“ nicht identisch ablaufen – und sei es wegen der unterschiedlich tiefen Integration ins vorhandene System. Es kann auch sein, dass das individuell rührige Handeln Einzelner den Eindruck erweckt, deren Haltung sei die der Organisation selbst. Daraus ergäbe sich also die Notwendigkeit einer Neuorganisation zur Sammlung der revolutionären Subjekte. Was aber, wenn sich dieser Prozess ganz oder teilweise umkehrt? Dann „sammeln sich die einen draußen neu mit ihren Illusionen, die zweiten sammeln sich in der einen Partei mit ihren Illusionen erneut und die dritten in einer dritten usw. Objektiv betreiben ALLE DREI ohne dies zu wollen (natürlich gibt es auch vorsätzliche Spalter) die Spaltung einer sowieso schon zu schwachen Bewegung.
Sollte nicht die Frage gestellt werden, ob es möglich sein könnte, die vorhandene DKP „unter“ einem Köbele – und nicht Meyer – zu einer modernen Kommunisten-Jugendpartei zu erneuern anstatt eine neue „vereinigende“ Kommunistenpartei zu gründen, die nur einigen individuellen Bewegungsdrang befriedigt?
Ich befürchte, dass die Gründung der neuen wahren Kommunisten nicht als Show-Auftritt zur Vorbereitung einer Wiedervereinigung gedacht ist. Zumindest kurzfristig wäre dies technisch nicht umzusetzen. Allerdings stellt sich bei so etwas auch die Frage, wer freiwillig so viel Kommunist wäre, um im Interesse einer starken Führung selbst in die zweite Reihe zurückzutreten ...

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Darwin und ein wenig Spekulation (2)

Sagen wir so: Unsere bekannte Pflanzenwelt wäre total ärmlich, wenn sie sich nach dem Prinzip des Kampfes ums Überleben der Fitten allein organisiert hätte. Im Falle eine „Gegnerschaft“ wären die Insekten gefressen worden. Es erschien aber „sinnvoll“, diese Tiere zu Helfern beim eigenen Überleben zu machen.
Ich wage zu behaupten, dass die Entstehung von „Organen“ auf das Wirken eines „symbiotischen Prinzips“ zurückzuführen ist. Eine „innere Logik“, die Zellengemeinschaften bevorteilt haben muss, bei denen Lebensaufgaben spezialisiert ausgeführt wurden. Der Hauptzweig förderte diese Spezialisierung innerhalb eines relativ festen körperlichen Systems, also klar umrissene Organe eines Gesamtlebewesens, ein anderer ermöglichte Systeme frei strukturierter Eigenlebewesen zu einer Überlebensgemeinschaft. Letzteres also besagte Darmbakterien innerhalb des Wirtskörpers; man kann aber auch im weiteren Sinne Insektenvölker dazu zählen: Bestimmte Vertreter einer Art existieren nicht mehr in erster Hinsicht als einzelnes Lebewesen, sondern sichern „nur“ das Überleben des Metakörpers „Volk“. Man sollte sich dabei vor jeder Bewertung hüten. Ich behaupte allerdings, dass in symbiotischen Systemen das kreativere Potential steckt – etwas was in einer ungesteuerten Natur zur Selbstzuwucherung alles Lebens führte, würde es nicht früher oder später durch Auslesemechanismen ergänzt. Ergo: Ich bin überzeugt, die Symbiosen waren zuerst da.
Und nun stoßen wir mit dem Menschen erstmals auf die Potenz der bewussten Gestaltung. Ich sage absichtlich „Potenz“. Also es geht um die wachsende Möglichkeit, Folgen von Eingriffen ins Gesamtsystem belebte Natur über die unmittelbare Folge des konkreten Eingriffs hinaus zu beurteilen. Die rohe natürliche Weise, mit der das Ausufern einer Evolutionslinie über eine Gegenlinie, dessen durch eine weitere und immer weiter fort verhindert wird, verliert ihre Notwendigkeit. An ihre Stelle treten (mindestens) zwei Haupttrends: Erst einmal schafft der Mensch „Übersichtlichkeit“ im Sinne der Verminderung der Gegenlinienzahl. Also „Lebewesen“, die das ungehemmte Verbreiten bestimmter Lebensformen bremsen, werden als „Krankheiten“, „Parasiten“, „Raubtiere“ usw. bekämpft. Damit werden Systeme geschaffen, die nur der relativen Besserexistenz der Menschheit zu nutzen scheinen. Damit schreibt „die Menschheit“ eine „Selbstverpflichtung“ zur bewussten „Verbesserung“ des Vorhandenen. Was wäre denn der Sieg übe eine tödliche Krankheit wert, wenn das Leben der „gesunderen“ Menschen weniger lebenswert wäre?
So muss die Menschheit auch einen anderen Trend bewusst wagen: Vorsätzlich die Vielfalt der Lebenszusammenhänge, deren eines Teilchen der Mensch als Art ist, erhalten. ...Aber eben auch bewusst neue Selbstverwirklichungsmöglichkeiten schaffen, die ein immer ausgeklügelteres System des eigenen Weiterexistierens ermöglichen. Primitiv gesagt: Wer nicht will, dass Menschen bestimmter Eigenart faschistisch ausgelesen werden, muss Plätze schaffen, in denen sie „sinnvoll“ sind.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Darwin und ein wenig Spekulation (1)


Darf ein „Marxist“ über etwas spekulieren, was unter aktuellen Bedingungen teilweise nicht nachprüfbar ist? Wer also hier nein sagt, sollte nicht weiter lesen.
Als die Darwinsche Evolutionslehre veröffentlicht wurde, war sie grundsätzlich revolutionär. Die Erkenntnis, dass die vorhandene Artenvielfalt des Lebens keine „gegebene“, sondern eine „gewordene“ ist, vertrieb Ideen eines einmaligen „Schöpfungsaktes“ „göttlicher“ Art ins Reich der religiösen Ahnungslosigkeit. So weit so gut.
Verwunderlich finde ich trotzdem, dass es so wenig Widerspruch von „links“, genauer aus der Ecke dialektischer Denker gegeben haben sollte. Insofern vermag ich vieles auch nur als Fragen zum Weiterdenken in den Raum werfen.
Was stört mich an der Methode?
Ich halte sie für einseitig und insoweit undialektisch. Ein dialektisches Herangehen an einen Sachverhalt schließt Mehreres ein: Dass er sich in ständiger Entwicklung befindet, dass er sich vom Niederen zum Höheren entwickelt, dass er sich in Wechseln von allmählich Evolutionärem und sprunghaft Revolutionärem zeigt … vor allem aber dass er immer neu als Einheit von mindestens zwei Widersprüchen auftritt.
Um es anhand der wörtlich genommenen Faust-Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, zu sagen: Es ist nie EINE Kraft. Im Moment unterscheiden wir vier Kräfte. Wichtig ist, dass immer mindestens zwei eine relative Harmonie schaffen. Die Erde bewegt sich um die Sonne, weil sie selbst über Energie verfügt, die verhindert, dass die Gravitationskraft der Sonne uns in unser Zentralgestirn hineinzieht – ein Modell, das mit anderen Komponenten auch für die Atome gilt.
Die biologische Auslese der Fittesten kann sozusagen philosophisch nur die Kraft in eine Richtung sein. Früher oder später blieben nur noch die Fittesten der Fittesten und dann auch die nicht mehr, da sie allein gar nicht mehr existieren könnten.
Es muss also noch etwas grundsätzlich entgegen Gerichtetes geben. Dafür spricht auch ein logischer Gesichtspunkt: Eine Auslese der Fittesten kann nur aus bereits vorhandenen Fitten erfolgen. Also eine göttliche Urschöpfung durch die Hintertür?!
Und nun wird es schwierig. Ich bezeichne das „Gegenprinzip“ als das der Symbiose. Nun kennen die heutigen Evolutionsstufen Symbiosen, vor allem im engeren Sinn, nur noch als exotische Randerscheinungen. Man wählt dort gern das hübsche Bild des Einsiedlerkrebses mit „seiner“ Anemone auf dem Rücken. Das kann man bestaunen „Wie niedlich!“ oder schlimmer „Schaut, auch so etwas hat die Evolution hervorgebracht!“
Was aber, wenn Symbiosen die Mütter der Evolution sind?
Gehen wir erst einmal davon aus, dass alle Ursprünge der Evolution nicht unmittelbar bewusst waren, es also keinen „Gedanken“ gab, was zweckmäßig war.
Gehen wir weiter davon aus, dass es Strukturen gab und gibt, die objektiv zweckmäßig sind.
Hier verstehe man unter „zweckmäßig“ die (erweiterte) Reproduktion von Leben. Leben wiederum definieren wir als in sich relativ geschlossenes System geballter Information mit Selbsterhaltungsmechanismus. „Relativ geschlossen“ sowohl räumlich als auch zeitlich. Also Leben definiert sich auch über den Tod.
Nun hoffe ich, auf nicht zu großen Widerspruch zu stoßen, wenn ich jeden einzelnen Menschen als System von festen funktionalen Teilsystemen und Symbiosen bezeichne, wobei manches dabei eine Definitionssache ist: Ohne unsere „Organe“ würden wir nicht „leben“, aber eben auch nicht ohne das „Leben“ bestimmter Darmbakterien.  

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (3)

Es ist Unsinn nach dem „Wichtigeren“ bei Evolution oder Revolution zu fragen. Das hieße bei Wasserkochen die gesamte Zeit entwerten, bei dem das Wasser auf 95 Grad erhitzt wird. Ist denn nur die letzte Energiezufuhr entscheidend, dass das flüssige Wasser Dampf wird, was in philosophischer Betrachtung die „Revolution“ ist? Wer allerdings Wasser auf dem Herd beobachtet, entdeckt auch die vielen kleinen „Revolutionen“, wo sich Wasserteilchen an der Herdplatte bereits in Wasserdampf verwandelt haben, beim Aufsteigen dann aber wieder Wasser werden und die anderen Teilchen damit erwärmen. (Die Veränderungen erfolgen an sich nirgends identisch schnell.)
 Halten wir fest: Wenn wir „Einheit und Kampf der Gegensätze“ als Grundgesetz aller Entwicklung erkennen, dann heißt dies, dass immer (mindestens) zwei Grundprinzipien in der Entwicklung miteinander verbunden sind, dass das „Niedere“ von der Gesamttendenz (aber nur von der) dabei vom „Höheren“ abgelöst wird mit dem Ergebnis, dass ein neues „Niederes“ (also das alte „Höhere“) sich im Kampf mit einem neuen „Höheren“ wieder findet…
Diese dialektische Betrachtungsweise kann am allgemeinsten erklären, warum es keine auf ewig „fortschrittlichen“ Parteien geben kann. Wir haben gesehen, dass dieses „Hauptprinzip“ auch in den anderen wirkt.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (2)

Auch in der belebten Natur existieren „niedere“ Wesen weiter, Einzeller, Bakterien… Die Entwicklung findet aber immer einen Fortschritt bei der Höherentwicklung: Die Zahl der einander beeinflussenden Faktoren, die das ganze System am Funktionieren halten, die es u. U. „reproduzieren“, nimmt immer mehr zu. Das „System“ wird komplizierter. Wenn man dem einen philosophisch-dialektischen Namen geben will, so heißt dies spätestens seit Hegel Negation der Negation. Es kommt in der Entwicklung das Ursprüngliche auf höherer Ebene wieder. (Dass dem die einfache Negation, also das Verwerfern des Alten vorausgeht, sollte trotzdem nicht vergessen werden.)
Insofern schüttle ich über den „Dialektiker“ Brecht den Kopf. Nein, dies schon vorweg: Der Kommunismus ist nicht „das Einfache, das schwer zu machen ist“, er ist das Schwierigste, das je weil so noch nie - gemacht wurde.
Es gibt zwar tendenziell und langfristig eine Entwicklung und die hat die Richtung zum Höheren. Allerdings gibt es eine Vielzahl relativ eigenständiger Systeme, bei denen dies nie sichtbar wird, bei dem sogar die Entwicklung „abstürzt“. Auch hierfür gibt es ein „dialektisches Prinzip“: das Umschlagen von Quantitäten in Qualität. Das trifft schon bei der Sternentwicklung zu: Für eine bestimmte „Zukunft“, sagen wir für ein künftiges „schwarzes Loch“ ist eine bestimmte „kritische“ Ausgangsmasse erforderlich. Ist sie nicht da, werden andere astronomische „Leichen“ gebildet … Oder wer sehr geschickt ist, kann das Wasserhahn-Experiment beobachten: Aufgrund der Oberflächenspannung kann man in einen Behälter mehr Wasser einlaufen lassen, als überhaupt hineinpasst. Ganz plötzlich ist dann der Punkt erreicht, an dem doch alles überläuft. Dann auch das Wasser, das vorher über den Rand lugte. Dieses Ansammeln notwendiger Massen nennen wir Evolution, den verändernden Sprung Revolution. Das eine geht nicht ohne das andere. (Womit wir wieder das erste Prinzip der Einheit und den Kampf der Gegensätze „aufgefrischt“ hätten.)