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Mittwoch, 7. Dezember 2011

Darwin und ein wenig Spekulation (2)

Sagen wir so: Unsere bekannte Pflanzenwelt wäre total ärmlich, wenn sie sich nach dem Prinzip des Kampfes ums Überleben der Fitten allein organisiert hätte. Im Falle eine „Gegnerschaft“ wären die Insekten gefressen worden. Es erschien aber „sinnvoll“, diese Tiere zu Helfern beim eigenen Überleben zu machen.
Ich wage zu behaupten, dass die Entstehung von „Organen“ auf das Wirken eines „symbiotischen Prinzips“ zurückzuführen ist. Eine „innere Logik“, die Zellengemeinschaften bevorteilt haben muss, bei denen Lebensaufgaben spezialisiert ausgeführt wurden. Der Hauptzweig förderte diese Spezialisierung innerhalb eines relativ festen körperlichen Systems, also klar umrissene Organe eines Gesamtlebewesens, ein anderer ermöglichte Systeme frei strukturierter Eigenlebewesen zu einer Überlebensgemeinschaft. Letzteres also besagte Darmbakterien innerhalb des Wirtskörpers; man kann aber auch im weiteren Sinne Insektenvölker dazu zählen: Bestimmte Vertreter einer Art existieren nicht mehr in erster Hinsicht als einzelnes Lebewesen, sondern sichern „nur“ das Überleben des Metakörpers „Volk“. Man sollte sich dabei vor jeder Bewertung hüten. Ich behaupte allerdings, dass in symbiotischen Systemen das kreativere Potential steckt – etwas was in einer ungesteuerten Natur zur Selbstzuwucherung alles Lebens führte, würde es nicht früher oder später durch Auslesemechanismen ergänzt. Ergo: Ich bin überzeugt, die Symbiosen waren zuerst da.
Und nun stoßen wir mit dem Menschen erstmals auf die Potenz der bewussten Gestaltung. Ich sage absichtlich „Potenz“. Also es geht um die wachsende Möglichkeit, Folgen von Eingriffen ins Gesamtsystem belebte Natur über die unmittelbare Folge des konkreten Eingriffs hinaus zu beurteilen. Die rohe natürliche Weise, mit der das Ausufern einer Evolutionslinie über eine Gegenlinie, dessen durch eine weitere und immer weiter fort verhindert wird, verliert ihre Notwendigkeit. An ihre Stelle treten (mindestens) zwei Haupttrends: Erst einmal schafft der Mensch „Übersichtlichkeit“ im Sinne der Verminderung der Gegenlinienzahl. Also „Lebewesen“, die das ungehemmte Verbreiten bestimmter Lebensformen bremsen, werden als „Krankheiten“, „Parasiten“, „Raubtiere“ usw. bekämpft. Damit werden Systeme geschaffen, die nur der relativen Besserexistenz der Menschheit zu nutzen scheinen. Damit schreibt „die Menschheit“ eine „Selbstverpflichtung“ zur bewussten „Verbesserung“ des Vorhandenen. Was wäre denn der Sieg übe eine tödliche Krankheit wert, wenn das Leben der „gesunderen“ Menschen weniger lebenswert wäre?
So muss die Menschheit auch einen anderen Trend bewusst wagen: Vorsätzlich die Vielfalt der Lebenszusammenhänge, deren eines Teilchen der Mensch als Art ist, erhalten. ...Aber eben auch bewusst neue Selbstverwirklichungsmöglichkeiten schaffen, die ein immer ausgeklügelteres System des eigenen Weiterexistierens ermöglichen. Primitiv gesagt: Wer nicht will, dass Menschen bestimmter Eigenart faschistisch ausgelesen werden, muss Plätze schaffen, in denen sie „sinnvoll“ sind.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Darwin und ein wenig Spekulation (1)


Darf ein „Marxist“ über etwas spekulieren, was unter aktuellen Bedingungen teilweise nicht nachprüfbar ist? Wer also hier nein sagt, sollte nicht weiter lesen.
Als die Darwinsche Evolutionslehre veröffentlicht wurde, war sie grundsätzlich revolutionär. Die Erkenntnis, dass die vorhandene Artenvielfalt des Lebens keine „gegebene“, sondern eine „gewordene“ ist, vertrieb Ideen eines einmaligen „Schöpfungsaktes“ „göttlicher“ Art ins Reich der religiösen Ahnungslosigkeit. So weit so gut.
Verwunderlich finde ich trotzdem, dass es so wenig Widerspruch von „links“, genauer aus der Ecke dialektischer Denker gegeben haben sollte. Insofern vermag ich vieles auch nur als Fragen zum Weiterdenken in den Raum werfen.
Was stört mich an der Methode?
Ich halte sie für einseitig und insoweit undialektisch. Ein dialektisches Herangehen an einen Sachverhalt schließt Mehreres ein: Dass er sich in ständiger Entwicklung befindet, dass er sich vom Niederen zum Höheren entwickelt, dass er sich in Wechseln von allmählich Evolutionärem und sprunghaft Revolutionärem zeigt … vor allem aber dass er immer neu als Einheit von mindestens zwei Widersprüchen auftritt.
Um es anhand der wörtlich genommenen Faust-Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, zu sagen: Es ist nie EINE Kraft. Im Moment unterscheiden wir vier Kräfte. Wichtig ist, dass immer mindestens zwei eine relative Harmonie schaffen. Die Erde bewegt sich um die Sonne, weil sie selbst über Energie verfügt, die verhindert, dass die Gravitationskraft der Sonne uns in unser Zentralgestirn hineinzieht – ein Modell, das mit anderen Komponenten auch für die Atome gilt.
Die biologische Auslese der Fittesten kann sozusagen philosophisch nur die Kraft in eine Richtung sein. Früher oder später blieben nur noch die Fittesten der Fittesten und dann auch die nicht mehr, da sie allein gar nicht mehr existieren könnten.
Es muss also noch etwas grundsätzlich entgegen Gerichtetes geben. Dafür spricht auch ein logischer Gesichtspunkt: Eine Auslese der Fittesten kann nur aus bereits vorhandenen Fitten erfolgen. Also eine göttliche Urschöpfung durch die Hintertür?!
Und nun wird es schwierig. Ich bezeichne das „Gegenprinzip“ als das der Symbiose. Nun kennen die heutigen Evolutionsstufen Symbiosen, vor allem im engeren Sinn, nur noch als exotische Randerscheinungen. Man wählt dort gern das hübsche Bild des Einsiedlerkrebses mit „seiner“ Anemone auf dem Rücken. Das kann man bestaunen „Wie niedlich!“ oder schlimmer „Schaut, auch so etwas hat die Evolution hervorgebracht!“
Was aber, wenn Symbiosen die Mütter der Evolution sind?
Gehen wir erst einmal davon aus, dass alle Ursprünge der Evolution nicht unmittelbar bewusst waren, es also keinen „Gedanken“ gab, was zweckmäßig war.
Gehen wir weiter davon aus, dass es Strukturen gab und gibt, die objektiv zweckmäßig sind.
Hier verstehe man unter „zweckmäßig“ die (erweiterte) Reproduktion von Leben. Leben wiederum definieren wir als in sich relativ geschlossenes System geballter Information mit Selbsterhaltungsmechanismus. „Relativ geschlossen“ sowohl räumlich als auch zeitlich. Also Leben definiert sich auch über den Tod.
Nun hoffe ich, auf nicht zu großen Widerspruch zu stoßen, wenn ich jeden einzelnen Menschen als System von festen funktionalen Teilsystemen und Symbiosen bezeichne, wobei manches dabei eine Definitionssache ist: Ohne unsere „Organe“ würden wir nicht „leben“, aber eben auch nicht ohne das „Leben“ bestimmter Darmbakterien.  

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (10)

Grundsätzlich gegen genetische Forschungen zu sein ist eine Form moderner Maschinenstürmerei. Genetik als Wissenschaft ist an nichts schuld und von Fall zu Fall eine menschen- und naturfreundliche Angelegenheit. Aber die Möglichkeit, mit ihren Ergebnissen Geld verdienen zu können (und heute zu müssen!!!), steht bewusstem, verantwortungsvollem Handeln – also Handeln im Sinne der Menschheit oder der „Mutter Erde“ - konträr gegenüber.
(Das heißt nicht, man möge später alles Machbare machen. Ich habe ja versucht, jenen Zusammenhang darzustellen, dass die Natur immer Gegensysteme finden wird, um ungebremste Vermehrung eines ihrer Teilelemente auszugleichen. Also wird kein genetischer Eingriff ohne Nebenwirkungen sein. Aber langfristig werden auch dagegen wieder neue bewusste menschliche „Schöpfungs“-Strategien gefunden werden.)
Die Vorphase der bewussten Umgestaltung der Natur liegt bereits hinter uns. Als Beispiel diene der „Urwald“-Bewuchs in Mitteleuropa vor 2000 Jahren. Viele Großsysteme haben sich zu neuen Gleichgewichten austariert. Jedes bewusst bepflanzte und beackerte Feld war von Anfang an ein eigenes Kleinsystem, das auch bewusst gegen natürliche Angleichung geschützt worden ist (erst durch Rodung, dann Entunkrautung, zum Schluss Düngung). Der „Erfolg“ solchen Tuns aber war ein neues Gesamtsystem, in dem mehr Menschen nur deshalb leben konnten, weil der natürliche Bestand an Pflanzen und Tieren dauerhaft verändert wurde. Es wurden also schon z. T. vor Jahrtausenden auf Dauer bewusste Mechanismen geschaffen, gegen die Selbstregulierung der Natur – und sie wurden geschaffen.
Wenn niemand einen privaten Vorteil aus der Nichtberücksichtigung fremder Interessen zöge (und sei dieses fremde Interesse eben das der „Mutter Erde“), dann schrumpfte die Wahrscheinlichkeit, dass er bewusst Schindluder mit der Umwelt und der in und mit ihr lebenden Menschengemeinschaft treibt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit umfassenderer Voranalysen größer.


Seit weit mehr als 200 Jahren haben die Menschen irreparabel in Naturkreisläufe eingegriffen. Inzwischen hat „der Mensch“ die Möglichkeit zu Eingriffen, die das Gesamtsystem sowohl vernünftig regulieren als auch insgesamt vernichten könnten.

Montag, 20. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (9)

Auf der anderen Seite steht die bewusste Geburtenplanung. Wir kommen wieder bei der Ausgangsproblematik für Darwins Auslesemechanismus an: Um auslesen zu können muss vorher etwas da sein, aus dem nachher das Angepassteste übrig bleiben kann. Das hieße für den Menschen, dass die Frauen als Gebärmaschinen genügend Kinderüberschuss produzieren müssten, aus dem dann die „Stärksten“ erhalten blieben… während der „Rest“ Tierfutter würde.
 Das wäre im engen Sinne "darwinistisch natürlich". Aus dieser Phase haben wir uns jedoch bereits gelöst. Ein neues Element ist in die Natur eingetreten: die bewusste Kreation. Die existierenden Menschen entscheiden bewusst, also mit Vorsatz darüber, was weiter existieren soll. Und wenn es ein kränkelndes Kind ist, dann verdient es die sofortige und dauerhafte Liebe, anstatt nach „Naturauslese“ durch ein Nachfolgekind mit größerer Widerstandskraft ersetzt zu werden.
Dies „produziert“ auf längere Zeit gesehen eine gewaltige Verantwortung: Auch die nötige Widerstandskraft muss dann bewusst geschaffen werden. Damit werden die Arbeitsfelder der Medizin immer breiter und die Menschheit kommt an einem nicht vorbei: an immer bewussterer Verbesserung der Lebensfähigkeit geborener Menschen. Dies allerdings ist ein Feld, auf dem sich die Menschheit der Verantwortung für immer umfassendere „Vorkreation“ der eigenen Existenz auch bewusst stellen muss. Dies schließt aus, dass bei solchen Entscheidungen andere Aspekte als Liebe zum Sein eine Rolle spielen können, also „Geschäftsaspekte“. Die Menschheit ist beim Eintreten in eine Welt der vorsätzlichen Gestaltung ihrer ganzen (Um-)Welt. Sie findet immer mehr Techniken für neue Bereiche, aber sie ist noch auf Profit fixiert, setzt also noch am Egoismus der Einzelnen an. Primitive Motivationen bei den einzelnen Handelnden aus wild auslesender Vorzeit - wo gemeinschaftliches Denken nötig und möglich ist.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (8)

Bei mindestens zwei Sachen hat der Mensch das Darwinsche Ausleseprinzip von dessen Sinn her bereits bewusst völlig durchbrochen: Bei der Medizin im Allgemeinen und bei der Fortpflanzung im Besonderen.
Was aus der Sicht der einzelnen Menschen eine „Krankheit“ ist, ist aus der Sicht der unbewusst regelnden Natur Auslese. Entweder findet der „Starke“ ein Gegenmittel oder er wird als Schwacher aussortiert. Fast alle Älteren, Kranken und Gebrechlichen hätte die blinde Natur aussortiert als nicht weiter lebenswert. Insofern wäre Faschismus eine „natürliche“ Ideologie.
Die Medizin jedoch schafft die Voraussetzungen für das bewusste Weiterleben solchen unangepassten Lebens. Dabei ist hier noch gar nicht betrachtet, dass wir uns noch in einer Übergangsstufe befinden. Noch schafft es die Medizin ja erst, Leben in einem (pflege)bedürftigen Zustand zu erhalten, also sein Ende hinauszuzögern. Die Verlängerung des voll aktiven Lebens ist jedoch nur eine Frage der Zeit. Allerdings entsteht durch das Menschsein eine neue "Anpassung": die Gesellschaft. Dazu später.
Man kann natürlich auch als Stärke des Menschen auffassen, dass er in der Lage ist, sich als Gattung zu erfassen, er also auch andere Qualitäten als die Fortpflanzungsfähigkeit der stärksten Einzelkörper erkennen kann. Damit hätte er aber bereits die plumpe Kampf-Auslese verlassen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (7)

Das Ausleseprinzip herrscht bis heute vor, da das "System" in dem die Beziehungen zu den anderen "Systeme" bewusst gestalten wird, selbst erst Ergebnis bewusster Gestaltung, man könnte auch gereifter menschlicher Vernunft wäre / sein muss. Ein solches System müsste dazu das Zusammenwirken der wesentlichen Faktoren innerhalb des Gesamtsystems „Natur“ verstanden haben. Dieses Verstehen müsste alle Wechselwirkungen einschließen, also warum sich das zweite Untersystem parasitär wuchernd vermehrt, wenn man das dritte einfach nur bekämpft – womit auch das erste selbst geschädigt wird. Die Ordnung der Natur wurde also durch das entgegengesetzte Bestreben anderer Systeme, sprich Lebewesen, hergestellt, genauer, das Gleichgewicht dieser entgegengesetzten Bestreben, weil es kein anderes, besseres Prinzip gab. Es mussten sich jeweils für jedes Wesen ein „Parasit“ herausbilden, weil anders kein Gleichgewicht entstehen konnte. Möglich wäre aber auch theoretisch die relative Harmonisierung der Beziehungen des Lebens über das Verstehen.
  Also noch einmal: Auslese der Angepasstesten ist nicht das alleinige Naturprinzip zur Entstehung und Höherentwicklung der Arten. Es ist ein auf einer bestimmten Entwicklungsstufe vorherrschendes Prinzip, dessen Bedeutung davor kleiner war und danach wieder immer kleiner werden wird. Es wirkt besonders stark, wenn ein schon erreichtes Gleichgewicht gehalten werden soll, ohne dass eine bewusst regelnde Kraft wirkt. (Es wirkt allerdings später auch – ist es aber bekannt, kann es in geplante Regelkreisläufe eingebaut werden.)
Der Mensch hat schon laufend in Naturgleichgewichte eingegriffen. In den bisherigen Fällen mit einer bewussten Absicht, die er, wenigstens vorübergehend, meistens auch erreichte, und (unterschiedlich schwer wiegenden) Nebenwirkungen, die er nicht beabsichtigt hatte. Dieser Vorgang wird sich weiter laufend wiederholen. Die „Gleichgewichte“, die der Mensch bewusst schafft, sind immer Kleinsysteme, sagen wir als Beispiel einzelne Getreidefelder, auf denen entgegen der ausgleichenden „Hand“ der Natur nur ein bestimmtes, von Menschen gewolltes Produkt wächt. Die Natur entwickelt Gegensysteme, die aus der begrenzten Sicht des Menschen Parasiten bzw. Krankheiten sind, gegen die er wiederum Gegenmittel entwickelt. Letztlich versetzt ihn das jedoch prinzipiell immer besser in die Lage, die Naturgleichgewichte zu verstehen und mit den eigenen Interessen in Einklang zu bringen (oder umgekehrt: die eigenen Interessen in Einklang mit den Naturgleichgewichten bringen!)

Freitag, 17. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (6)

… Nebensächliche Randerscheinungen der Natur?! Wo mal zufällig ausnahmsweise das Grundprinzip des „Jeder gegen Jeden“ durchbrochen wird? Selbst die Natur bringt am Rande Kibbuz und Kleinkommune zu Stande?
Könnte es sein, dass wir bei dieser Art zu sehen die Länge der Evolution vergessen? Könnte es sein, dass die Zeit der mühsamen ersten Versuche der größeren Lebensorganisation im Verhältnis zu den „heutigen“ Zeiträumen, in denen es große Fresser und große Gefressene gibt, viel länger war?
Uns fehlen aus diesen Zeiten einfach die materiellen Belege. Weil es für sie keine geben kann – höchstens auf einem „jüngeren Planeten“, wo sich gerade „Leben“ entwickelte.
Was aber ist mit den Pflanzen? Bedürfen nicht auch heute die meisten von ihnen Zusammenwirken mit anderen Lebewesen, die wir bei großzügiger Handhabung des Begriffs als Symbiosen bezeichnen könnten?
Könnten nicht alle (oder die meisten) der uns bekannten Organe Ergebnisse verfestigter „Symbiosen“ sein? Ein- bzw. Kleinzeller gleicher Funktionsweise fanden sich (über enorm lange Zeiträume betrachtet) zusammen, um sich gegenseitig die Existenzbedingungen zu verbessern? Das heißt, sie taten dies nicht zielgerichtet, aber zufällig eben doch – mit Erfolg. Aus der Weitergabe der erfolgreichen „Kooperation“ ist ein neues, größeres System entstanden, in dem die ursprünglichen vielen Einzelgänger miteinander verkoppelt sind? Weil sie das sind, waren sie besser an die Umwelt angepasst. Als neues Gesamtwesen (bzw. als „Organ“ innerhalb eines künftigen Gesamtwesens)?
Es wäre ein frühes Evolutionsglied. Stark vereinfacht zugegebenermaßen, aber sinnvoll.
Dann hätten wir zwei Prinzipien, wobei das Ausleseprinzip die Oberhand (vorübergehend bis heute) gewann, sobald die symbiotische Evolution zu ihrer wilden Potenzierung geführt hätte.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (5)

Zurück zur „Leistungsgesellschaft“ Kapitalismus bei Darwin.
Was, wenn der Fehler nur in der einseitigen Überhöhung einer Seite der Entwicklung, läge, weil man das andere dabei wirkende Prinzip einfach als nebensächlich übersehen hättet? So wie während alles Klassengesellschaften das kommunistische Prinzip, das, wenn es denn überhaupt wahrgenommen wird, als nebensächlich betrachtet bzw. bekämpft wird. Weil es innerhalb dieser Klassengesellschaften eben untergeordnet, nebensächlich ist?!
Passiert es uns vielleicht im Umgang mit Darwin, dass das uns als Menschen gemäße Prinzip durch uns selbst ungewollt „unterdrückt“ wird?
Im modernen Sinn gibt es neben dem allgemeinen Kampf ums Überleben, um die beste Überlebenskampfstrategie gegen den Rest der Natur ein paar Nischen der Symbiose. Verschiedenartige Lebewesen finden sich zusammen, wobei das eine die Lebensbedingungen des anderen verbessert. Es kann z. B. sein, dass eines das andere in neue Jagdgebiete trägt, dass eines das andere schützt, ja, dass der eine vom „Abfall“ des anderen lebt. Die Forscher empfinden das heute mitunter als exotische Randglosse der Natur, nach dem Motto „Was es so alles gibt ...“. Zahnbürstenfische für Haifischzähne … um etwas besonders abartig Erscheinendes zu benennen. (An Krebse mit Anemonen hatte man sich ja schon gewöhnt.)

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (4)

Es ist erschreckend, mit welcher Leichtfertigkeit alte und neue Materialisten diese Grundidee gerade beim Darwinismus verlassen haben, bei der kritiklosen Bejubelung von Darwins biologischen Entwicklungslehre.
Wie glücklich waren alle, als sie erkannt zu haben glaubten, dass es anstatt eines „Schöpfers“ der Arten einen natürlichen Vorgang, ein Prinzip, gibt, das die Entwicklung bewirkte: Die „Entstehung der Arten durch Auslese“! Ein Prinzip?!
Es erscheint geradezu fatal, dass da nicht nachgefragt wurde und wird. Auslese setzt doch nun wirklich unbedingt voraus, dass vorher etwas da ist, eine Ursprungsmenge, aus der man die Fittesten, die Angepasstesten überleben lassen kann!
Also wirkte vorher doch so etwas Ähnliches wie ein Gott?!
Selbst wenn man Mutationen berücksichtigt, Sprünge in der Entwicklung… Wirkten hier also nur Revolutionen? Wenigstens am Anfang? Aus dem Nichts? Als biologischer Big Bang?
Dazu kommt noch etwas Anderes. Wenn die Darwinsche Auslese der Angepasstesten DAS eine Prinzip der Natur zur Höherentwicklung wäre, was, bitteschön, sollte dann falsch sein, es auf den Umgang der Menschen miteinander zu übertragen? Nur dass wir bewusst reflektieren KÖNNEN?!
Okay, der Gedankengang mag gemein sein. Die Schwachen, Langsamen werden gefressen, in der Natur im engsten Wortsinn, in der Menschenwelt notfalls auch mal nur im übertragenen Sinn – weil so ein wenig Ethik haben wir ja. Aber eigentlich sind solche ethischen Beschränkungen unnatürlich und sollten sich in Grenzen halten. Das wäre eine einfach logische Schlussfolgerung aus Darwins Lehre. Somit könnten sich Faschisten auf den Darwinismus berufen – weil sie sich selbst zu den Fittesten erklären ... Wenn man es sanfter machte, dann kämen zumindest solch eigentlich Menschen verachtende Losung heraus wie „Leistung muss sich wieder lohnen“. (Einmal angenommen, es ginge wirklich um Leistung, … wer entscheidet denn, welches „lohnenswerte“ Leistungen sind? Ist nicht das Aufziehen von Kindern eine MINDESTENS so „lohnenswerte“ Aufgabe wie das Handeln mit Aktienoptionen von Handyanbietern, unabhängig, ob durch öffentliche Fachkräfte oder durch Eltern gemeistert? Und „verdient“ solch Aktienoptionsbesitzer etwa nicht allein durch diesen Besitz in einer Stunde mehr als einer Fachkraft der Kindererziehung ein ganzes Leben gezahlt wird für ihre „lohnende Leistung“???

Dienstag, 14. Dezember 2010

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (2)

Auch in der belebten Natur existieren „niedere“ Wesen weiter, Einzeller, Bakterien… Die Entwicklung findet aber immer einen Fortschritt bei der Höherentwicklung: Die Zahl der einander beeinflussenden Faktoren, die das ganze System am Funktionieren halten, die es u. U. „reproduzieren“, nimmt immer mehr zu. Das „System“ wird komplizierter. Wenn man dem einen philosophisch-dialektischen Namen geben will, so heißt dies spätestens seit Hegel Negation der Negation. Es kommt in der Entwicklung das Ursprüngliche auf höherer Ebene wieder. (Dass dem die einfache Negation, also das Verwerfern des Alten vorausgeht, sollte trotzdem nicht vergessen werden.)
Insofern schüttle ich über den „Dialektiker“ Brecht den Kopf. Nein, dies schon vorweg: Der Kommunismus ist nicht „das Einfache, das schwer zu machen ist“, er ist das Schwierigste, das je weil so noch nie - gemacht wurde.
Es gibt zwar tendenziell und langfristig eine Entwicklung und die hat die Richtung zum Höheren. Allerdings gibt es eine Vielzahl relativ eigenständiger Systeme, bei denen dies nie sichtbar wird, bei dem sogar die Entwicklung „abstürzt“. Auch hierfür gibt es ein „dialektisches Prinzip“: das Umschlagen von Quantitäten in Qualität. Das trifft schon bei der Sternentwicklung zu: Für eine bestimmte „Zukunft“, sagen wir für ein künftiges „schwarzes Loch“ ist eine bestimmte „kritische“ Ausgangsmasse erforderlich. Ist sie nicht da, werden andere astronomische „Leichen“ gebildet … Oder wer sehr geschickt ist, kann das Wasserhahn-Experiment beobachten: Aufgrund der Oberflächenspannung kann man in einen Behälter mehr Wasser einlaufen lassen, als überhaupt hineinpasst. Ganz plötzlich ist dann der Punkt erreicht, an dem doch alles überläuft. Dann auch das Wasser, das vorher über den Rand lugte. Dieses Ansammeln notwendiger Massen nennen wir Evolution, den verändernden Sprung Revolution. Das eine geht nicht ohne das andere. (Womit wir wieder das erste Prinzip der Einheit und den Kampf der Gegensätze „aufgefrischt“ hätten.)

Das Ding mit der Dialektik der Natur – Darwins Schwäche (1)

Viele Verteidiger des Kapitalismus – dem die dann natürlich freundliche Umschreibungen geben – behaupten, er wäre sozusagen die volle Entfaltung der Natur. Es bleibt uns schon allein deshalb nichts übrig, als zu untersuchen, wie weit sie Recht haben.
Fangen wir ganz abstrakt an:
Es gibt einige Grundprinzipien, nach denen sich alles Sein „richtet“. Wir müssen hier nämlich in die fürchterlichste Ebene des Abstrakten, in die Philosophie.
Das allgemeinste und wichtigste Prinzip ist das von der Einheit und dem Kampf der Gegensätze. Kampf sollte dabei nicht mit „Krieg“ verwechselt werden, also das die eine Seite das Ziel hat, die andere zu vernichten. Nein, das Prinzip besagt, dass es sind immer (mindestens) zwei Seiten einer Sache gibt, die ein Ganzes bilden, obwohl sie eigentlich Gegensätze sind.
So gibt es immer physikalische Materie und immer Energie, die der Materie als Träger bedarf. Zu Lenins Zeiten glaubte man sich noch sicher, dass das eine überhaupt nicht ohne das andere existieren könne. Heute weiß man, dass es Augenblicke des Übergangs, des Umschlags gibt, Big-Bang-Momente, die fast absolut nur Energie kennen (was die Möglichkeit der Umkehrung einschließt). Aber alles was ist, ist im Wesentlichen in Bewegung (etwas Anderes ist „Energie“ letztlich nicht) und damit in Veränderung begriffen. Diese Veränderung führt dabei zu einem neuen System mit einem neuen Verhältnis von physikalischer Materie und Energie.
(„Physikalische Materie“ bedeutet, dass es im philosophischen Sinne eine andere Materie-Definition gibt. Philosophisch ist alles, was nicht Bewusstsein, Erkennendes ist, sondern Erkennbares, Materie. Somit ist philosophisch Energie eine Form von Materie.)
Nun wäre auf Dauer ein ständiges Hin und Her zweier Formen auch eine Art Stillstand. Die urtümliche Einheit der Gegensätze bringt aber Entwicklung, und zwar von Niederem zum Höheren. In der Natur zum Beispiel von der Physik über die Chemie zur Biologie. Dabei wird das „Niedere“ „aufgehoben“. Zwar entwickeln sich Systeme bald auf höherer Stufe, ist eine biologische Vermehrung eben mehr als ein nur chemischer oder gar nur physikalischer Vorgang, aber sie ist dies eben auch, und sie schafft die älteren Reproduktionssysteme der Natur nicht ab. (Es ist erlaubt, sich den "Liebesakt" sowohl als "höhere" Liebe als auch als physikalische Bewegung als auch als Summe chemischer Absonderungen aufzufassen. Richtig verstehen kann man ihn erst, wenn man nichts davon weglässt, aber das "Wichtigste" als das Wichtigste erkennt.)